Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953010
der Stellungen 
Mechanik 
und 
Ortsbewegun g. 
der 
515 
Tretrad bei einer Steigung von 24") auf 345 000 kg steigern läßt, d. h. in acht 
Stunden vermag also ein Mann ein Kilogramm auf eine Höhe von 345 000 m zu 
heben. Diese enorme Leistung im letzteren Falle ist besonders dadurch möglich, 
daß die menschlichen Beine fir das Gehen ganz außerordentlich zweckmäßig ein- 
gerichtet sind, und die Vortrefflichkeit ihrer Konstruktion hilft in ganz hervorragender 
Weise, um ein s0lch' überraschendes Resultat zu erzielen. Um sich von der Größe 
der Arbeit während des Bergsteigens einen Begriff zu machen, wobei lediglich durch 
die Kontraktion der Muskeln, und zwar vorzugsweise derjenigen der Beine, ein 
Gewicht von '70 kg Körper einen Berg von 2000 m hinaufgetragen wird, so diene 
die Angabe, daß damit in sechs Stunden eine Leistung von 140000 Kilogrammmeter 
erzielt wurde. Sie würde auf das Doppelte steigen, wenn eine Last, die dem Körper- 
gewicht gleich wäre, auf dem Rücken emporgetragen würde. 
In den letzten Jahren ist die Frage der Muskelbewegung des Menschen in ein 
neues Licht gestellt worden. Aus der Lehre von der Unzerstörbarkeit der Kraft 
wissen wir, daß bei mechanischer Leistung unserer Muskeln ein Verschwinden von 
Wärme aus dem Körper stattfinden muß. Hnnnuonrz hat gezeigt, daß der mensch- 
liche Leib im Lichte einer, zur Verwandlung von Wärme bestimmten Maschine be- 
trachtet, die beste je konstruierte Maschine weit übertriEt. Von der durch die Ver- 
brennung der Nahrungsmittel abgegebenen Gesamtwärme kann ein Mensch in Form 
wirklicher Arbeit den fünften Teil nutzbar machen, während es noch niemals ge- 
lungen ist, eine Dampfmaschine zu konstruieren, die mehr als 119 der Kraft des 
unter dem Kessel verbrannten Brennmaterials nutzbar machen konnte. Die Muskeln 
des menschlichen Körpers sind aber nicht nur Mittel für die äußere Arbeit. Der 
Leib hat beständig noch eine Masse innerer Arbeiten zu verrichten, um das Leben 
zu erhalten. S0 muß z. B. das Blut in Zirkulation erhalten und durch Lunge und 
Gefäße getrieben werden; Brust und Zwerchfell müssen sich heben zum Zwecke des 
Atmens; die Verdauung muß fortgeführt und der Leib aufrecht erhalten werden und 
alles dieses verbraucht Kraft. Man hat erkannt, daß das Herz in 24 Stunden eine 
Arbeit verrichtet, welche gleichkommt dem Heben eines Zentners Gewicht zu der 
Höhe von 1276 m. Die Arbeit des Atmens ist geschätzt worden als ungefähr gleich 
dem Heben des nämlichen Gewichtes zu der Höhe von 200 m. Die Summe der 
übrigen Arbeit innerhalb des menschlichen Körpers, welche jeden Tag, auch ohne 
das Zuthun unseres Willens vollzogen wird, hat man bis jetzt noch nicht geschätzt, 
allein, es ist ganz augenfällig, daß die Arbeitssumme selbst des Trägsten eine sehr 
ansehnliche ist. 
c. Das Laufen. Bei dem Laufen wird der Körper vom Boden ab- 
geschnellt durch einen Stoß, der von der plötzlichen Streckung des 
vorher gebeugten Beines herrührt. Der Körper wird aber auch 
gleichzeitig fortgetragen, denn das sich streckende Bein schnellt den Körper 
nicht allein in die Höhe, sondern wirft ihn auch nach vorn. Das ab- 
wechselnde Emporschnellen des Körpers und die forcierte durch Muskel- 
aktion unterstützte Pendelbewegung durch die Beine geschieht mit solcher 
Geschwindigkeit, daß beim Laufen der Körper einen Moment in der Luft 
schwebt. Die Kunst wählt selten dieses Moment, um das Laufen zu 
charakterisieren, sondern jenes, in welchem das eine Bein mit dem Boden 
in Berührung ist, während das andere seine Schwingung beginnt, also 
hinter dem Rumpf in der Luft schwebt. 
Die Schnelligkeit des Laufens wird bei der Darstellung dadurch an- 
33g;
        

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