Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1953001
ruhigen Gang. Sobald die Schwingungen des Fußpendels beschleunigt 
werden sollen, müssen sie durch Muskelkräfte unterstützt werden und 
daraus erklärt sich, warum schnelles Gehen mehr ermüdet als langsames. 
Die Gangarten der Menschen sind bekanntlich individuellen Ver- 
schiedenheiten unterworfen. Sie wechseln nicht nur bezüglich des Tempo, 
sondern auch bezüglich der Haltung des Rumpfes und der Bewegungsart 
der Beine innerhalb bestimmter Grenzen. S0 hat z. B. bei sehr fetten 
Leuten der Gang etwas Schwankendes, andere geben ihm dadurch, daß 
sie die Beine möglichst wenig beugen und strecken und dabei doch weite 
Schritte machen, etwas Gravitätisches, wieder andere beugen die Knie 
sehr stark, wodurch der Gang nachlässig erscheint. Und was die Haltung 
des Rumpfes betrifft, so ist von Einfiuß, ob dieser v0r- oder rückwärts 
geneigt getragen wird, 0b er unnötige Schwankungen in derselben Richtung 
oder nach den Seiten ausführt. Die Erscheinungen all dieser Verschieden- 
heiten prägt sich unserem Auge und der Schall der verschiedenen Tempi 
unserem Ohre ein und ebenso sicher, wie wir Freunde an dem Tone ihrer 
Stimme erkennen, vermögen wir es auch an dem Geräusch ihrer Gangart. 
Zu dem Gehen ist das geringste Maß von Muskelanstrengung nötig, 
wenn man in seiner natürlichen, durch die Länge der Beine bedingten 
Schrittdauer geht. Das ist der Grund, warum man die Soldaten bei 
großen Märschen nicht in gleichem Tempo gehen läßt; sie würden sonst 
viel früher ermüden, weil sie größere Muskelanstrengungen brauchen. 
Wenn jeder nach seiner natürlichen Schrittdauer marschiert, so geht der 
Marsch mit geringer Muskelanstrengung, einfach nach den ljendelgesetzen 
von statten. Immerhin verzehrt diese Bewegung einen ansehnlichen Teil 
des in den Muskeln der Beine vorhandenen Kräftevorrates, und endlich 
tritt doch Ermüdung ein. Man begreift dies, wenn man die Last be- 
rücksichtigt, welche bei dem Gehen fortbewegt wird. Die bei einfachem 
Gehen auf horizontalem Wege vollbrachte Arbeit eines Menschen von 
70 kg Körpergewicht beläuft sich für eine Stunde Weges auf 25 O00 Kilo- 
grammmeter, in acht Stunden werden somit _ 200 000 Kilogrammmeter 
durch die Beine bewältigt.  
Der menschliche Organismus ist eine Bewegungs- und Kraftmaschine, die sich 
in betreff ihrer Leistungen z. B. im Fortbewegen und Heben von Lasten vollkommen 
mit den Maschinen unserer Mechanik, vor allem mit den Dampfmaschinen ver- 
gleichen läßt. Die kontraktile Substanz der Muskeln repräsentiert die Kraft, die 
Knochen mit ihren Gelenkverbindungen repräsentieren die Maschine, durch welche 
die Arbeit des Menschen geschieht. Die Arbeit eines Menschen wird ebenso be- 
zeichnet, wie die irgend einer lßlaschinc. Man hat als Einheit der Arbcitsgröße das 
Kilogrammrneter angenommen, d. h. diejenige Arbeit, welche 1 kg in einer Sekunde 
1 m hoch zu heben vermag. Nimmt man eine Arbeit von acht Stunden an, eine 
Thätigkeit, welche das arbeitende Individuum ohne Nachteil für seine Gesundheit 
ertragen kann, so ergiebt sich, daß der Mensch von 70 kg Schwere eine Leistung 
am Göppel in runder Summe von 200 000 Kilogrammmeter zu vollbringen vermag. 
Es ist dies eine bedeutende Arbeit, die sich unter günstigen Umständen (z. B. am
        

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