Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952969
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Zweiter Teil. 
Dritter Abschnitt. 
stützen, weil Hand und Vorderarm weit hinter der Schwerlinie des Ober- 
körpers sich befinden. Der rechte Arm hilft vielmehr den Körper nach 
vorn stoßen, der linke, ausgestreckt, hat noch keinen Halt, hilft sogar 
durch sein Gewicht, den Oberkörper in derselben Richtung fortzuziehen. 
Auch das linke Bein drückt den Körper fort, allein ehe es den Boden 
verlaßt, muß das rechte den Unterstützungspunkt gefunden haben. Das 
setzen wir nach allen Regeln der Bewegung des Menschen voraus. Schon 
ist der Fuß nach abwärts gesenkt und aus der Stütze der rechten Hand, 
die durch den Druck verbreitert ist, ziehen wir den Schluß, daß die 
Grundfläche füridas Aufsetzen des rechten Fußes nicht mehr fern ist. 
All das, was hier aus einer langen Erörterung über die Stellung der 
einzelnen Glieder hervorgeht, nimmt das Auge sofort wahr, und unser 
Geist verkündet uns das Urteil, daß hier ein schwieriges Problem, die 
Darstellung eines Hiehenden Mannes, zufriedenstellend gelöst ist. Wir 
finden die Stellung leicht und natürlich, weil die Verteilung der Massen 
des Körpers nicht gegen die Gesetze der Schwerkraft verstößt und dabei 
ein hoher Grad von Leichtigkeit zum Ausdruck kommt. Wenn wir über- 
dies sofort wissen, daß die Flucht eilig ist, wobei der Körper nach der 
Seite gewendet ist und der Blick nach rückwärts, obwohl an der Figur 
der Kopf fehlt, so ist es unsere Erfahrung, welche aus dieser Stellung 
des Körpers, d. i. aus der in der Stellung liegenden Mimik, die Geschichte 
des Vorganges abliest. 
b. Gehen. Die Erkenntnis der Thatsache vom Schwerpunkt des 
menschlichen Körpers und seiner Unterstützung nach mechanischen Prin- 
zipien laßt vermuten, daß bei dem Gehen dieselben Grundsätze ihre Geltung 
finden. Denn der natürliche Gang hat die Aufgabe zu erfüllen, den 
Rumpf, d. i. ein Gewicht, in einem bestimmten Abstand von dem Boden 
mit gleichförmiger Geschwindigkeit fortzubewegen. Wenn, wie bei dem 
Stehen, die Schwerlinie nicht mehr zwischen beide Füße, sondern in die 
Sohle eines Fußes fallt, in das Standbein, so kann man das Spielbein 
aufheben. Wenn nun der Körper sich soweit nach vorn neigt, daß die 
Schwerlinie vor den Fuß fallt, so wird sie nicht mehr unterstützt sein 
und man kommt in die Gefahr, vornüber zu fallen, wenn nicht das Spiel- 
bein in diesem Augenblicke vom Boden gelöst wird. Dabei wird es im 
Moment des Abhebens des Fußes vom Boden gebeugt. Ist dies geschehen, 
so schwingt es, da es im Hüftgelenke frei beweglich ist, nach vorwärts. 
Das Bein ist dabei nicht steif im Kniegelenk, sondern es wird im Anfang 
der Periode des Schwingens etwas gebeugt und zwar etwas mehr, als es 
im Moment des Abhebens des Fußes vom Boden der Fall war. Darauf 
wird es gestreckt, und zuletzt, kurz vor dem Aufsetzen des Beines wieder 
etwas gebeugt, so daß das Bein in etwas gebeugter Haltung auf den 
Boden auftritt. Sobald es dann den Boden erreicht hat, ist damit ein
        

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