Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952916
der 
Mechanik 
der Oqtsbewegung. 
und 
Stellungen 
505 
anderen erheben, um dadurch den Schwerpunkt wieder in die Unterstützungslinie 
zurückzubringen; es erhebt sich immer der Arm gegenüber jener Seite, nach der das 
Gewicht der Masse zu fallen droht. Aus demselben Grunde benutzt der Seiltänzer 
die Balancierstange; nach demselben Gesetze ändert der menschliche Körper in allen 
Fällen, in denen er auf irgend einer Seite belastet wird, seine Haltung nach der un- 
belasteten Seite. 
Wird z. B. eine Last in der linken Hand getragen, so neigt sich der Rumpf 
nach der entgegengesetzten Seite und wird gleichzeitig auch der Arm horizontal aus- 
gestreckt; durch das Seitwärtsbeugen des Rumpfes wird die Schwerpunktslinie nach 
der entgegengesetzten Seite verlegt und damit ist das Gewicht balanciert. Hängt 
die Last vorn, so muß man sich verhältnismäßig zuriickbeugen; liegt sie auf dem 
Rücken, so muß der Körper entsprechend vorgebeugt werden. Dabei hat beständig 
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Fig. 246. Skizze eines stürzenden Titanen nach Gtnno Rmu 
(nach einem Stich von B. CORIOLAN). 
das eine Bein die Last zu unterstützen. Die gerade Haltung des Körpers ist dagegen 
nicht verändert, wenn eine Last auf dem Kopf getragen wird, also in der verlängerten 
Linie der Körperachse. Unsere Erfahrung, fälschlich "Gefühl" genannt, hat das 
Urteil über die Richtigkeit und Notwendigkeit der Bewegungen, über die Veränderte 
Lage des Schwerpunktes so vollkommen entwickelt, daß jeder Fehler der darstellenden 
Kunst von uns sofort erkannt wird. Die unerbittlichen Regeln eines fallenden Körpers 
zeigen uns in demselben Augenblick, wo der Schwerpunkt desselben nicht mehr unter- 
stützt ist, schon das endliche Schicksal Strauchelt jemand, so kennen wir die drohende 
Gefahr, noch ehe der Sturz vollendet ist. Es sind dies Abstraktionen, gebaut auf 
unsere eigenen Erlebnisse. An der Skizze Figur 246 erkennt jeder sofort, daß es sich 
hier um einen Menschen handelt, der das Gleichgewicht verloren und rückwärts, un- 
aufhaltsam zu Boden stürzt. Selbst das emporgestreckte Bein, das nach derselben 
Regel, wie die Balancierstange, der Last des Körpers noch das Gleichgewicht halten 
sollte, kann nichts mehr nützen, weil die Masse des Oberkörpers zu groß isti- Dies
        

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