Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952873
Dritter 
Abschnitt. 
Mechanik der Stellungen 
Ortsbewegung. 
und 
der 
a. Der Schwerpunkt und das Stehen. Bei der Mechanik unserer 
Bewegungen gilt vor allem der Satz, daß es sich um die Leistung einer 
Arbeit handelt, wobei der Mensch nicht fremde Massen bewegt, sondern 
seine eigene. Selbst zu der aufrechten Stellung bedarf es schon einer 
gewissen Muskelthätigkeit. Handelt es sich doch bei dem Stehen darum, 
das Gewicht des Körpers von 70-75 kg im Gleichgewicht zu erhalten. 
Es ist dabei notwendig, daß der Schwerpunkt des Körpers unterstützt 
sei, daß heißt, daß die sogenannte Schwerlinie, die Senkrechte, welche 
durch den Schwerpunkt des Körpers geht, in den Bereich seiner Unter- 
stützungsfiäche falle. Gleichzeitig ist es aber auch nötig, daß der Körper 
durch Muskelaktion aufrecht erhalten werde; denn eine Leiche, wenn man 
sie auch so aufstellt, daß ihr Schwerpunkt unterstützt ist, fallt zu- 
sammen, weil ihre Gelenke nachgeben. Die Gelenke, welche zunächst 
in Betracht kommen, sind das Sprunggelenk, das Kniegelenk, das Hüft- 
gelenk; dann müssen aber auch der Kopf und die Wirbelsäule durch 
Muskelaktion in ihrer Lage erhalten werden. 
Auf diesen leichtbeweglichen und glatten Gelenken müssen wir also 
den Körper bei dem aufrechten Stehen derart durch Muskeln festhalten, 
daß beim Stehen auf den beiden Füßen die Schwerlinie zwischen die 
beiden Füße fällt, wie in der Figur 245. In dieser Figur ist das 
Skelet eines aufrecht stehenden Mannes gezeichnet; die Linie Sch 
entspricht der Schwerlinie. Sie geht durch die Scheitelfläche 
(Sagittalebene) des Körpers und trifft den Boden in der Mitte 
des Fußviereckes, an einer Stelle, die gleichweit von der Stütz- 
flache der beiden Füße entfernt ist. Bei dem Kinde, das es eben 
so weit gebracht hat, einige Augenblicke zu stehen, muß die Schwer- 
punktlinie (Fig. 240) genau dieselbe Richtung haben wie bei der vorher- 
erwähnten Figur. Unser Blick ist durch die eigenen Erfahrungen in dieser 
Hinsicht so geschärft, daß die geringste Ablenkung dieser Linie an irgend 
einem Körper sofort unsere Aufmerksamkeit erregt, und unsere Gedanken 
beschäftigt. Denn das Gesetz, daß ein Körper nur dann in der Gleich- 
gewichtslage sich befinde, wenn seine Schwerlinie senkrecht steht, gilt- 
nicht allein für den Menschen, sondern für alle Körper. Sobald eine 
Säule oder ein Turm nicht senkrecht zu der Schwerlinie aufgestellt ist,. 
haben wir sofort das Urteil einer falschen Gleichgewichtslage fertig. Bei
        

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