Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952866
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Zweiter Teil. 
Zweiter Abschnitt. 
Anatomie 
Kindes. 
des 
Art sind, daß sie von einem eingeschnürten Faden herzurühren scheinen, 
werden durch das Unterhautfettgewebe bedingt (Figg. 239-241). An den 
Fingern kann die Fettanhaufung oft so stark werden, daß sie das Beugen 
erschwert. 
Die Muskeln sind bei dem Neugeborenen alle vorhanden, allein noch unvoll- 
kommen der Herrschaft des Willens unterworfen. Nur einige folgen schon dem 
äußern Reiz, so der Ringmuskel des Auges; bei dem Eindringen des Lichtes schließen 
sich die Lider.  Bei der Berührung der Mutterbrust machen die Lippen und 
die Zunge sofort die komplizierten Saugbewegungen, und ebenso sind Beuger und 
Strecker des Rumpfes und der Glieder schon lange vor der Geburt der Zusammen- 
ziehung fähig; allein die Entwickelung des übrigen Muskelsystems ist noch so weit 
zurück, daß Monate vergehen, bis das Kind die ersten Gehversuche zu machen im- 
stande ist. Dabei ziehen sich die Muskeln sehr unvollkommen, bald zu stark, bald 
zu schwach zusammen und die Thätigkeit einer jeden Muskelgruppe ist von vielen 
unzweckmäßigen Mitbewegungen begleitet. In der Abbildung des Kindes von rück- 
wärts (Fig. 241) sind die großen Gesäßmuskeln bei dem einfachen Stehen in voller 
Thätigkeit; bei dem Erwachsenen, der es gelernt hat, seinen Körper im Gleichgewicht 
zu tragen, geschieht das Stehen mit einer geringeren Muskelarbeit, und eine Zu- 
sammenziehung der großen Gesäßmuskeln tritt nur ganz vorübergehend auf. In voller 
Leistungsfähigkeit sind dagegen schon sehr früh jene Muskeln des Kindes, welche im 
Gebiet des Kreislaufes und der Ernährungsorgane thätig sind. Das Herz schlägt 
schon seit den frühesten Tagen der Entwickelung regelmäßig und voll; die gesamte 
Muskulatur des Darmes übernimmt nach der Geburt die ihr zukommende Rolle, 
ebenso wie die Respirationsmuskeln, welche sofort ihren Dienst antreten, um ihn 
ohne Unterbrechung fortzuführen. 
Das Skelet des kindlichen Körpers hat, mit Ausnahme desjenigen des Kopfes, 
wenig Einfluß auf die äußeren Formen. Es enthält zwar alle einzelnen Teile, allein 
viele sind noch vollkommen knorpelig und andere erst in der Verknöcherung begriffen. 
Die Röhrenknochen geben, wie bei dem Erwachsenen, Ursprungs- und Ansatzpunkte 
für die Muskeln, aber die vorspringenden und scharf gezeichneten Muskelleisten fehlen 
noch und im Innern bestehen die langen Knochen aus drei durch Knorpel getrennten 
Stücken. Erst mit der vollen Reife des Individuums verwachsen diese einzelnen Ab- 
teilungen fest und untrennbar miteinander. Bei dem geringen Durchmesser der 
Knochen reicht oft schon die Schwere des Körpers hin, um sie bei den ersten Geh- 
versuchen zu krümmen und einen mäßigen Grad von Säbelbeinen zu erzeugen. Leidet 
vollends die Ernährung der Kinder, dann wird der regelmäßige Gang der Ver- 
knöcherung gestört und führt jene Verkrümmungen der Beine herbei, die aus geraden 
Säulen für die Stütze des kindlichen Körpers vielmehr zu bogenförmigen Spangen 
geworden sind, die nur einen wackelnden Gang gestatten. Doch besitzt die Natur 
manche geheimnisvoll aus dem Innern des Organismus wirkende Kraft, und so ver- 
schwinden oft in späteren Tagen durchbessere Ernährung diese Zeichen frühererSchwäche. 
SCHADOW, a. a. O. weiter unten.  H.Wn1.c1csn, Untersuchungen über Wachs- 
tum und Bau des menschlichen Schädels. Leizpig 1862. 4".  Fn. Lrnnnzrx, Die 
Gesetze des Wachstumes und der Bau des Menschen. Die Proportionslehre aller 
menschlichen Körperteile für jedes Alter und für beide Geschlechter. Mit 8 Tabellen 
und 9 lith. Tafeln. Wien 1862. Folio.  IIENNING, HENKE und VIERORDT, Anatomie 
und Physiologie des Kindesalters. 2. Aufl. Mit 68 Holzschnitten. Tübingen 1881 in 
dem Handbuch für Kinderkrankheiten; auch separat erschienen.  Max Pnrsnn, Der 
Kinderakt. Das Kind als Modell. 50 Blatt Modellstudien. Internationaler Kunst- 
verlag R. Bauer 8x Cie., Berlin S. 53. Enthält Kinderakte vom ersten Lebensjahr bis 
zu der Pubertätszeit.
        

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