Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948024
Erster Abschnitt. 
werden. Dadurch wird ein viel größerer Betrag von Beweglichkeit er- 
reicht als an dem Hüftgelenk, bei dem ja der pfannentragende Knochen 
feststeht. Daß damit die Zahl der Formveranderungen am Oberkörper 
größer wird, als am unteren Ende des Stammes, ist klar. Wir werden 
bei der Anatomie des Armes diese Vielseitigkeit der Bewegungen erörtern, 
welche es möglich macht, daß die Hand jeden Punkt der Körperoberflache 
zu erreichen vermag. 
2. Das Winkelgelenk. Ginglynzus, von ginglyvnös (griechisch) Thür- 
angel, gestattet nur Beugen und Strecken oder Offnen und Schließen, wie 
die in Angeln hängenden Thüren. Bei den letzteren steckt ein Stahl- 
cylinder "Dorn" genannt, in einer "Büchse". In den Winkelgelenken des 
Menschen und der Tiere ist ebenfalls der Cylinder verwendet, der aber 
nicht senkrecht steht, sondern wie an den Winkelgelenken der Koffer u. s. w. 
horizontal liegt. Die Pfanne besteht aus der Hälfte einer der Länge 
nach entzwei geschnittenen Büchse oder eines Hohlcylinders. Der Voll- 
cylinder ruht in dem Hohlcylinder, festgehalten durch den Luftdruck und 
die Adhasion und durch den Zug der Muskeln. Um dem Gang des 
menschlichen Gelenkes eine größere "Sicherung" zu geben, ist der quer- 
liegende Cylinder überdies mit einer tiefen Furche, und die Pfanne mit 
einer hierfür passenden Leiste versehen oder umgekehrt. Das Ineinander- 
greifen dieser Furchen und Leisten verhindert in Verbindung mit den 
Hilfsbandern das Abgleiten. 
Am reinsten erscheint diese Form in den Zehen- und Fingergelenken 
(Fig. 7 Nr. 18, 19, 20-21). Daran schließen sich an: das Kniegelenk, das" 
Fußgelenk, das Gelenk zwischen Atlas und Hinterhaupt u. a. m. 
Der Einfachheit wegen wurde nur von einem (luerliegenden Cylinder oder einer 
Walze gesprochen, welche den Gelenkkopf darstellt. Das Aussehen entspricht nicht 
gerade immer der Vorstellung, die mit solchen Bezeichnungen verbunden ist. Dies 
rührt davon her, daß die gewölbte Gelenkfläche, ungefähr so wie bei dem Ellbogen- 
gelenk, einen tiefen Einschnitt aufweist. Das so eingeschnittene Gelenkende wird 
deshalb auch Rolle genannt. Alle diese und ähnliche Ausdrücke sind eben von der 
Mechanik in die Anatomie allmählich herübergenommen worden. Ähnlich wie an 
dem Ellbogengelenk verhält sich der querliegende Cylinder an den Fingern. Auch 
hier existiert ein ziemlich tiefer Einschnitt. Bei dem Kniegelenk ist er so umfang- 
reich geworden, daß die Walze an der hinteren Fläche vollständig in zwei Teile ge- 
trennt ist,_und nur an der vorderen der Bezeichnung "Rolle" noch einigermaßen ent- 
spricht. Auch die Gelenkpfanne ist weit entfernt, dem alltäglichen Begi-iif einer 
solchen zu entsprechen. Sie ist oft gering an Umfang und so flach, daß es schwer 
wird, sie zu erkennen, wie z. B. an dem oberen Schienbeinende. Für die Ausgiebig- 
keit der Bewegung war damit ein eminenter Vorteil erreicht. Größere Sicherheit der 
Führungsbahn wurde durch die Einschnitte erzielt, denn in diese greifen vor-springende 
Leisten ein, wie an dem Arm-Ellcnbogengelenk oder den Fingergelenken Fig 7, Nr. 18, 19. 
Das seitliche Abgleiten wird einmal schon dadurch erschwert, dann aber noch voll- 
ständig gehemmt durch die, einem jeden solchen Gelenk zukommenden HllfSbänder 
Figur 7, Nr.18,33. Dieselben entspringen seitlich an der Rolle, und zwar an den
        

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