Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952698
Anatomie 
Weibes. 
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Wade soll nach BRÜCKE mindestens dem Hals derselben Figur gleich- 
kommen, denselben aber auch ohne Schaden übertreffen können. Bei 
gut entwickelter Muskulatur der Unterschenkel und einem fehlerfreien 
Halse soll dies die Regel sein.  Während der Bewegung lassen sich drei 
Abteilungen unterscheiden, die flachenhaft wirken: 1) Die Bäuche der 
Zwillingswadenmuskeln (M. gastrocnenz-iz), 2) deren platte Sehne mit dem 
darunter liegenden großen Schollenmuskel (lllusculus soleus) und 3) die 
Achillessehne mit ihrem Ansatz am Fersenbein. Diese Gliederung ist in 
der Figur 237 aus folgendem Grunde zu erkennen: Wenn ein Bein mit 
dem Fuße nur auf dem Zehenballen aufruht, während die Ferse gehoben 
ist, und dieses Bein doch dabei dem Körper wesentlich mit zur Stütze 
dient, und wie hier in der Bewegung zu einem neuen Schritt gegen den 
Boden gedrückt wird, dann ziehen sich die Wadenmuskeln zusammen 
und die Formen treten hervor. Ist aber die Phase des Schrittes noch 
nicht bis zu jenem Punkte gelangt, bei dem dieser Druck ausgeübt werden 
muß, dann fehlt die Gliederung in den Formen der Wade, wie in der 
Figur 236. Die Figuren 228 und 236 geben diese feinen Abstufungen 
der Muskelthatigkeit während eines Schrittes in unverkennbarer Weise. 
Es giebt weibliche Unterschenkel, die bei starken Muskelbauchen der 
Zwillingswadenmuskeln auch eine ansehnliche Dicke der Achillessehne 
und ihres Ansatzes aufweisen. Das ist eine unschöne Form; die Figuren 
228 und 236 sind in dieser Hinsicht regelmäßig gebaut, nur dürfte viel- 
leicht die Wade im Durchmesser von vorn nach hinten etwas ansehn- 
hcher sein. Unter dieser dicken Achillessehne und des in ihrer Nähe an- 
gehäuften Fettes verschwindet die Schmalheit des Sprunggelenkes und 
es entsteht eine gemeine, plumpe Form. 
Der Fuß der Frau (larf nicht zu klein sein im Verhältnis zur Figur, 
wenn er nicht kindlich und verkümmert oder was ebenso schlimm, genre- 
haft wirken soll. Die Füße der Figuren 228 und 236 sind nicht zu 
groß und dabei gut geformt. Im gewöhnlichen Leben gilt ein hoher Rist 
für eine Schönheit. Bei den Antiken ist diese Schönheit nicht in hervor- 
ragender Weise ausgeprägt. Man braucht in dieser Beziehung nicht über 
das Maß hinauszugehen, das der Rist in der Figur 228 besitzt; der Fuß 
des Standbeines erscheint etwas flach, aber das rührt davon her, daß die 
ganze Körperlast auf ihm ruht, wodurch die Wölbung und damit auch 
der Rist abgeflacht wird. Bei den Füßen muß der Rist nach oben ge- 
wendet sein, nicht schräg nach oben und innen, wie dies bei den soge- 
nannten Plattfüßen, den nach innen getretenen Füßen, der Fall ist. Ein 
häufiger und namentlich bei niedrigem Rist vorkommender Fehler des 
Fußes ist eine zu lange Ferse. Der Fuß ist über das Maß nach rück- 
wärts verlängert und die Profillinie, welche dem unteren Verlauf der 
Aohillessehne folgt, ist über das Maß konkav. Dieser Fehler giebt dem 
Fuße ein gemeines Aussehen.
        

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