Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952687
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Zweiter Teil. 
Erster Abschnitt. 
Die Beine. Man nimmt an, daß bei einem aufrecht und mit ge- 
schlossenen Beinen und Füßen stehenden Menschen beide Beine sich 
viermal berühren sollen, und zwar 1) in der oberen Partie der Ober- 
Schenkel, 2) zwischen den inneren Knorren des Kniegelenkes, 3) mit den 
stärksten Ausladungen der Waden nach innen, 4) mit den inneren Knöcheln. 
Diese Regel gilt jedenfalls für den weiblichen Körper. Bei kräftigen und 
fettreichen Schenkeln sollten sich sogar die Oberschenkel der ganzen 
Länge nach berühren können, ohne daß dies als ein Fehler anzusehen 
ist. Bei weiblichen Modellen soll es häufig vorkommen, daß bei aneinander- 
gelegten Knöcheln die Knie nicht vollständig gestreckt werden können. 
Das rührt oftmals davon her, daß geringe Grade von sogenannten x-Beinen 
bestehen. Man darf sich dadurch nicht irre machen lassen. Wenn an 
einzelnen berühmten weiblichen Figuren das Knie nach innen gestellt ist 
(medicäische Venus), so rührt dies von der Haltung des, im Knie etwas 
gebeugten Spielbeines her, ähnlich wie in Figur 227. Die gegenteilige 
Abweichung von der Norm, bei der sich die Knie des weiblichen Modelles 
gar nicht berühren, weil ein geringer Grad der Säbelbeine existiert, 
ist häßlich. 
Die Knie sind oft zu dick bei Frauen und Männern. Die Ursache 
ist zunächst ein grober Knochenbau und damit die größere Dicke der 
Gelenkenden. Dann kann auch Fettablagerung den Umfang des Kniees 
vergrößern; endlich verdirbt häufiges und anhaltendes Knieen auf hartem 
Boden die Form des Kniees durch Verdickung der Haut, des Unterbaut- 
zellgewebes und in höherem Grade durch Entzündung der Schleimbeutel. 
Ein wohlgeformtes Knie besitzt die Figur 22. Die Kniescheibe ist nicht 
zu groß und eben erkennbar, sie ragt also nicht hervor und macht auch 
kein spitzes Knie. Im Profil ist sie auf Figur 236 ebenfalls zu sehen. 
Von ihr zieht (Fig. 22) das Kniescheibenband herab zu dem Schienbein- 
stachel. Die leichte Biegung reicht hin, um das Patellarfett in der Tiefe 
des Gelenkes verschwinden zu lassen, während es an dem Standbein hervor- 
tritt. Am Unterschenkel ist, von vorn gesehen, die Schienheinlinie bei 
weiblichen Modellen kaum sichtbar, während bei dem Mann der vordere 
Schienbeinmuskel (M. tibialis anticus) oben allein die Führung der Linie 
übernimmt, was in der Nähe des Fußgelenkes durch die Sehne des eben- 
genannten Muskels und durch die Sehne des langen Streckers der großen 
Zehe geschieht. Der Schienbeinmuskel wird bei dem Weihe nur bei der 
Beugung des Fußes (Dorsalflexion) sichtbar. Dagegen läßt sich selbst in 
der Ruhe der Verlauf der vorderen Schienbeinfläche erkennen. Bei der 
weiblichen Wade muß man, wie bei derjenigen des Mannes, den Zustand 
der Ruhe von dem der Bewegung wohl unterscheiden. In der Ruhe sind 
die Muskeln durch das Fett bedeckt und es kommt nur die Ausladung 
durch die Fleischmasse der Zwillingsmuskeln zum Ausdruck, welche der 
größten Dicke der Wade entspricht. Der größte Umfang der weiblichen
        

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