Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952643
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Zweiter Teil. 
Erster 
Abschnitt. 
Danaide des Vatikans. Er entsteht auch beim Sitzen mit vorgebeugtem 
Körper und zwar dadurch, daß der unterste Teil des Brustkorbes sich 
nach rückwärts bewegt und die Bauchdecken nach sich zieht. Unterhalb 
des Knickes wölbt sich der Bauch hervor. Der Knick kann sich zu einer 
Falte vertiefen bei Anwesenheit von viel Fett oder bei schlaffer Haut 
und gleicht dann einer mit Bindfaden tief eingeschnittenen Furche und 
ist unschön. Wenn aber die Vertiefung rein und offen daliegt, dann ist 
sie sicher als eine wesentliche Schönheit zu betrachten und auch schon 
oft von namhaften Künstlern als solche gewürdigt worden. Das Eben- 
gesagte gilt nur von jugendlichen und gut geformten Modellen. Bei Frauen, 
die schon geboren haben, oder die einen fetten Unterleib besitzen, können 
oberhalb des Nabels und unterhalb des Nabels je zwei Falten vorkommen. 
Der Künstler darf sich nicht verführen lassen, solch faltige Bäuche zu 
kopieren. MlCHELANGELOfS "Nacht" hat diese vier Querfalten. Furchen, 
Rillen oder gar Falten, die sonst zwischen Nabel und Schamberg ver- 
laufen, gehören nicht der normalen Entwickelung des Körpers an, sondern 
sind Folgen unzweckmäßiger Kleidung, namentlich des Mieders und dürfen 
nicht reproduziert werden. Selbst Mädchen vom Lande bieten keine un- 
bedingte Sicherheit, daß der Unterleib normal sei. Bei ihnen sind es 
oft die Bänder der Röcke und Schürzen, welche tief einschneiden, so daß 
selbst die tiefliegende Leber und der Magen dadurch schwer geschädigt 
werden (Schnürfurche der Leber). 
Der Rückeneines schönen Modelles muß die Biegung der Wirbel- 
säule erkennen lassen, wie in den Figuren 228 und 236. Sie bildet 
zwischen den Schultern beginnend eine Linie (Rückgratslinie), welche, in 
der Kreuzbeingegend angelangt, undeutlich wird. Die Hervorwölbungen, 
welche unterhalb der Schulterblatter die Linie begrenzen, rühren von der 
untersten Partie der Rückenmuskeln und dem darüber gelagerten Fett 
her. Die Schulterblatter müssen dem Körper anliegen, rundliche durch 
Fett wohlgeformte Flachen zeigen, die nicht durch scharfe Knochen- 
leisten oder derbe Muskelmassen unterbrochen werden. Am ruhigsten 
sind diese Einzelnheiten in der Figur 236 ausgeprägt. Muskeln treten 
in der für Idealüguren erlaubten Deutlichkeit in der Figur 228 auf, 
welche den Arm emporgehoben hat, der ein gefülltes Gefaß tragt. Die 
Schwere desselben, gesteigert duich die Entfernung von dem Körper be- 
dingt eine Anstrengung in den Hebern des Armes. Daher kommt es 
denn, daß der untere Rand des Deltamuskels bemerkbar wird. Im An- 
schluß daran deutet eine breite dreieckige Flache mit der Spitze nach 
der Achselhöhle gerichtet auf die Ausdehnung des Muskels der Unter- 
grätengrube; diese Fläche wird gegen die Achselhöhle durch den brei- 
testen Rückenmuskel begrenzt. Unter dieser Fläche folgt eine andere 
ebenfalls dreieckige Flache, deren Spitze nach dem unteren Winkel des 
Schulterblattes, deren Basis gegen die Brust gerichtet ist und nur wenig
        

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