Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952565
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Zweiter Teil. 
Erster Abschnitt. 
Sie umgeben die Milchgange, welche zur Spitze der Papille emporsteigen. 
Talgdrüsen sind sowohl über den Warzenhof als auch über die Warze 
verbreitet. Sie bedingen die Unebenheit des Warzenhofes. Bei Brünetten 
ist der Warzenhof und die Warze stark pigmentiert, bei Blondinen 
schwach; doch kann die Pigmentierung auch vollständig fehlen. Das 
Pigment vermehrt sich bei eintretender Schwangerschaft, der Warzenhof 
vergrößert sich bedeutend, verkleinert sich aber wieder nach Beendigung 
des Stillens. 
Die Brüste der weißen Rassen sind im jungfräulichen Zustande halb- 
kugelig, bei den farbigen Rassen ist dies nicht immer der Fall. Die zahl- 
reichen Photographien von Mädchen und Frauen aus Afrika. und den 
Inseln des indischen Ozeans zeigen nicht immer, aber doch oft genug 
Brüste, welche mehr in die Länge gezogen und zugespitzt sind. Es ragt 
dann der ganze Warzenhof stark über die übrige Brust hervor und die 
Papille ist wenig von ihm abgesetzt, während dies sonst deutlich der Fall 
ist. Die alten wie die neuen Bewohnerinnen des Nillandes scheinen in 
weitaus überwiegender Menge, ebenso wie diejenigen Indiens die halb- 
kugeligen Brüste zu besitzen, denn weder die Darstellungen der Sphynxe 
und anderer himmlischer Wesen, noch die Darstellungen irdischer Schön- 
heiten lassen spitze Brüste erkennen. 
An der Figur 227 ist die Brust nicht mehr ganz jungfräulich, sie 
ist bereits etwas welk, aber durch die emporgehobenen Arme doch noch 
in eine so günstige Lage gebracht, um nicht störend zu wirken. Die 
Brust macht den Eindruck zu großer Rundung, während doch die edlere 
Form mehr kegelförmig ist, wie in der Figur 228. Solche gutgeformte 
Brust kommt bei Frauen, die geboren haben, niemals vor; sie kann nicht 
vorkommen, weil während der Schwangerschaft in der Brust Veränderungen 
vorgehen, welche für alle späteren Zeiten ihre Konsistenz beeinträchtigen, 
auch wenn sie nicht gesäugt haben. Von der jungfräulichen Brust wird 
verlangt, daß sie der Schwere fast gar nichts nachgebe, wie dies auf der 
Figur 228 der Fall ist. Eine leichte Wirkung der Schwere läßt sich 
freilich erkennen; die untere Hälfte des Kegels ist etwas stärker gewölbt 
als die obere. Diese Form findet sich bei den meisten Venusgestalten 
des Altertumes, so bei der medicäischen und bei der Venus von Milo. 
Ein Schritt weiter führt zur Brust der kapitolinischen Venus. Sie ist 
größer und schwerer. Sie zeigt wohl die Grenze, über welche man bei 
nackten Idealgestalten nicht hinausgehen soll.  Die Figuren MICHEL- 
ANGELds zeigen Brüste, welche wesentlich von den oben geschilderten 
abweichen. Er hat oHenbar Frauenbrüste dargestellt, welche mehr der 
Schwere folgen als jene der Jungfrauen, ja es deuten manche Zeichen 
darauf hin, daß teilweise die Brüste toter Frauen als Modell gedient 
haben. 
Die Zwischenräume zwischen den Brüsten sind verschieden, in der
        

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