Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952543
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Zweiter Teil. 
Erster Abschnitt. 
geben, die wir an ihm bewundern, während sie uns an der Frau ab- 
stoßend erscheinen würden. Vergleicht man damit die Linien an den 
Gliedern der Frau (Figur 227 und 228), S0 wird der Grad des sexuellen 
Unterschiedes vollkommen deutlich. Die Anordnung, der Bau und des- 
halb die Mechanik der Muskeln und Gelenke ist dieselbe, das Fett aber 
erhält die Bedeutung eines sexuellen Merkmales, das alle harten Formen 
mit seinem weichen Schleier überzieht, der mehr ahnen als sehen läßt. 
Auf einen wichtigen sexuellen Unterschied, auf den schiefen An- 
satz des Armes wurde in der Knochenlehre (S. 152) hingewiesen, er ist 
an der Figur 236, und zwar am rechten Arm, deutlich vorhanden, aber 
in keinem allzustarken Grade entwickelt und überdies durch die ganze 
Haltung gemäßigt, der Arm ist nämlich wenig pronirt, und damit der 
schiefe Ansatz etwas verschleiert.  Der Oberarm ist bei der Frau nicht 
so stark abgeplattet wie bei dem Mann, aber er ist keineswegs drehrund, 
wie ihn die Antike dargestellt hat. In der Renaissance wurde die natür- 
liche Form etwas mehr berücksichtigt. Auch wurde die Breite des Unter- 
armes zum deutlicheren_Ausdruck gebracht. Die Meister der Renaissance 
waren eben viel stärkere Naturalisten als man nach den hergebrachten 
Lehren anzunehmen gewohnt ist.  Knaben haben mehr abgeflachte Ober- 
arme als Mädchen, es entwickelt sich aber schon frühe  mit dem 
12-14. Jahre die Annäherung an die männlichen Eigenschaften. Spätere 
Meister der Renaissance haben" ihren Engeln bei sonst vorherrschendem 
männlichen Typus Weiberarme gemalt, während ANDREA DEL SARTO den 
seinigen mit Vorliebe Knabenarme malte. Die Engel denkt man sich 
durchweg männlichen Geschlechtes, wenn also PALMA der Jüngere seinen 
Engeln sehr ausgesprochene, schöne Mädchenarme malte (BRÜCKE) und 
auch im übrigen der weibliche Charakter bei ihnen vorherrscht, so hat 
er sich eben von der Tradition befreit. Man darf übrigens nicht ver- 
gessen, daß es sehr schöne und für die künstlerische Verwendung sehr 
brauchbare Frauenarme giebt, bei denen vermöge einer kräftiger ent- 
wickelten Muskulatur der Deltamuskel und auch die Beuger und Strecker 
des Armes sich mehr oder weniger bemerklich machen. Dennoch er- 
scheint ein solcher Arm nicht männlich, wenn ein mäßiges Fettpolster 
die Formen weich erhält. Solche Arme eignen sich für Karyatiden- 
gestalten, um etwas Kraft zum Ausdruck bringen zu können.  Es ist 
ein im Publikum viel verbreitetes Vorurteil, daß körperliche Übung (Turnen) 
an dem Arm der Mädchen männliche Form hervorrufe. Eben jetzt zieht 
durch die Städte Europas eine Schar von Mädchen, welche die erstaun- 
lichsten Kraftleistungen vollführen, und doch besitzen ihre Arme und 
Beine nicht männliche, sondern weibliche Formen. Bekannt ist wohl 
noch vielen die Trapezturnerin LEONA DABE, welche als Begleiterin des 
Zirkus RENZ die Schönheit ihrer weiblichen Arme in allen großen Städten 
der Welt zur Schau gestellt hat. Bei Frauen, welche sich in der so-
        

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