Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952539
des Weibes. 
Anatomie 
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weiblichen Hals zu zeigen, der doch dem männlichen zur offenbaren Zierde 
gereicht, ist kaum berechtigt. Vergleiche den Hals des Mannes Figur 156 
mit dem Frauenhals, der in verschiedenen Stellungen von Figur 160-163 
abgebildet ist; man wird zugeben müssen, claß manche dieser Frauen- 
hälse schön sind, obwohl der Kopfnicker hervor-tritt. 
Vorn grenzt sich der Hals nach unten zu durch die Schlüsselbeine 
ab, die nur ganz schwach sichtbar sein dürfen. Hinten dacht er sich ab  
in die Konturen, welche vom Nacken zu den Schultern führen und die 
dem Trapezmuskel angehören (Fig. 29 S. 53 Mann von hinten und Fig. 28 
S. 52 Mann von vorn). Dieser Kontur darf nicht schräg abfallend sein, 
weder bei dem Mann noch bei der Frau, denn dies giebt eine unschöne 
Form. Dieser Übergang ist gut in der Figur 227-285 und den folgen- 
den. Aber dies gilt nur bei bestimmten Haltungen. Auch dieser Kontur 
ist in hohem Grade von der Aktion abhängig. Sobald sich die Arme 
erheben (Fig. 227) wird die Grenze von Hals und Schulter verschärft, 
sinkt dagegen der Arm herab, wie dies bei der Figur 236 links der Fall 
ist, und sinkt der Körper gleichzeitig etwas nach derselben Seite, dann 
wird der Kontur schief abfallend. Dort ist er aber eine Folge der Aktion 
und wird dennoch für schön genommen, weil er nicht von mangelhafter 
körperlicher Gestaltung herrührt. Abfallende Schultern hängen mit einem 
mangelhaften Bau des Thorax zusammen, er ist oben nicht breit genug 
ausgelegt und bietet deshalb der Schulter nicht genügenden Halt.  
Die Frage, ob der "Schwanenhals", d. h. der lange Hals, schön sei, darf 
man wohl verneinen. Die Vorliebe für lange schlanke Hälse zeigt sich 
nicht in der Antike, sondern erst im späteren Mittelalter und in der 
Frührenaissance und hängt mit der Vorliebe für schlanke Gestalten über- 
haupt zusammen. 
An manchen Frauenhälsen sieht man ein oder zwei ringförmig ver- 
laufende Linien, Spuren von Falten, welche einst im Kindesalter vorhanden 
waren, als noch der Fetthals des kleinen Kindes existierte. Die Falten 
finden sich in der vorderen Halsregion, können sich aber auch auf die 
Seiteniiäche des Halses fortsetzen. Sie sind schon von Bildhauern des 
Altertums bemerkt und wiedergegeben worden und kommen an mehreren 
antiken Venusgestalten vor. Wo sie sich am lebenden Modell finden, 
sind sie sorgfältig nachzubilden, denn sie sind eine Zierde, insofern sie 
ein Zeichen der Jugend sind und wohl nur bei frischer und auf ihren 
Unterlagen wohlbefestigter Haut vorkommen. Sie haben nichts zu thun 
mit Falten, die sich bei Bewegungen des Halses leicht in einer schlaffen 
Haut bilden. 
Um die beträchtliche Änderung der Formen sich zu vergegenwärtigen, 
Welche lediglich der Überzug von Fett, der sich über die Muskeln hin- 
weglegt, herbeiführt, genügt ein Blick auf die Abbildungen, welche die 
eckigen und starken Formen des Mannes an Brust und Armen wieder-
        

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