Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948004
Erster Abschnitt. 
1. Das Kugelgelenk hat seinen Namen von dem kugelförmigen Ge- 
lenkkopf, der in der Mechanik der Maschinen auf einer schmalen Stange 
sitzt, wobei der größte Teil der Kugeloberfläche für die Bewegung ver- 
wendbar bleibt. Der Gelenkkopf eines menschlichen Gelenkes sitzt auf 
einer breiten Unterlage, denn die Knochen nehmen gegen die Gelenk- 
enden stets an Umfang zu. Unter Umständen wird nur dieHälfte oder 
das Drittel einer Kugel verwendet. Der Kugel entspricht dann die Pfanne_ 
(Acetabulum), in der sich der Kopf nach jeder Richtung verschieben läßt. 
Er ist, wie dies in mehr präziser Fassung ausgedrückt wird, in jeder 
Stellung um eine senkrechte, auf die Pfanne gedachte Achse drehbar. 
Das Hüftgelenk ist das größte, und seiner Form nach das reinste 
Kugelgelenk des menschlichen Organismus. Der Gelenkkopf erscheint auf 
den ersten Augenblick, namentlich im frischen Zustand nahezu kugelrund. 
Zwei Drittel der Kugel sind in der That frei, das letzte Drittel ist auf 
dem sog. Hals des Oberschenkelknochens festgewachsen (Fig 6 Nr. 23), der 
an das obere Ende in einem Winkel angesetzt ist. Die knöcherne Pfanne, 
deren Rand durch einen aufgewachsenen Ring knorpelähnlichen Gewebes 
(Labrum glenoidale) noch mehr vertieft wird, nimmt den Kopf so voll- 
ständig auf, daß an dem natürlichen Skelet wenig von ihm zu sehen ist. 
Nur an dem künstlichen Skelet, an welchem der innere Überzug der 
Pfanne und eben dieser aufgewachsene Ring durch die Fäulnis zerstört 
sind, ragt ein Teil des Kopfes aus der Pfanne hervor (Fig. 6). Da der 
knöcherne Pfannenrand nicht, wie dies bei dem Nußgelenk der Mechanik 
der Fall sein muß, den Äquator der Kugel überschreitet, so hat das 
menschliche Nußgelenk eine weit größere Beweglichkeit als irgend eines 
der Technik. Durch Übung kann die Beweglichkeit auffallend gesteigert 
werden. Am deutlichsten zeigen das Versuche am 1_2jährigem Kind, 
und stets überraschend bei den fahrenden Gymnasten unserer Jahrmärkte, 
wenn sie ihr Bein wie der Soldat Gewehr im Arm präsentieren, oder auf 
ihre rechtwinklig vom Stamm ausgespreizten Beine hinstürzen. Wenn 
nicht jeder Mensch sich diesen Grad von Kautschuk-Elastizität bewahrt, 
so rührt dies daher, daß die Kapsel wie die umgebenden Muskeln einen 
Teil ihrer jugendlichen Elastizität später verlieren und bei einem be- 
stimmten Grad von Spannung schon Schmerz verursachen. Analysiert 
man unter völlig normalen Zuständen des Gelenkes seine Beweglichkeit 
und nimmt die größte Freiheit desselben bei einem Akrobaten zum Muster, 
so beträgt die Hebung nach vor- und rückwärts 1400, beim gewöhnlichen 
Sterblichen nur 860, die Hebung seitwärts (Beinspreizen) 900, das Drehen 
nach innen und außen (Rotation) 510. "Werden diese Stellungen allmählich 
ineinander übergeführt, dann beschreibt die Fußspitze einen Kreis, das 
untrüglichste Merkmal eines Kugelgelenkes. 
Eine im Prinzip ähnliche Konstruktion weist das Oberarmgelenk 
(Articulatio humeri) auf. Bei ihm ist zum Unterschied auch der die Pfanne
        

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