Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952486
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Zweiter Teil. 
Erster Abschnitt. 
einander entfernt und laden sich aus. Dadurch wird der Schambogen 
(reimus ossium pubis, Fig. 229 e) weit, während er bei dem Mann (Fig. 230 
Nr. 6), im Vergleich dazu eng ist. Allzu breite Hüften sind unschön, und 
man sollte sie z. B. bei Evagestalten nicht zu stark ausladen, um die 
Aufgabe der Mutter des Menschengeschlechtes zum Gebaren dadurch an- 
zudeuten. Eine mittlere Hüfthreite genügt für jede Art von Fruchtbar- 
keit, denn der quere Beckendurchmesser ist nicht das Entscheidende, 
sondern ein Durchmesser, der vom Schambein nach rückwärts gegen das 
Kreuzbein gezogen werden muss. Frauengestalten mit sehr starken Hüften 
sehen stets etwas hetärenhaft aus. Die Figur 227 ist gut geformt, ohne 
doch zu breite Hüften zu haben. Die Form des anschließenden Schenkels 
ist sowohl an dem Spiel- als an dem Standbein um deswillen schön, weil 
die Linie gewölbt ist. An dem Spielbein ist dies stärker bemerkbar, als 
an dem Standbein, auf dem der Körper ausschließlich ruht. Geht der 
äußere Schenkelkontur gerade nach abwärts vom großen Rollhügel bis 
zum Kniegelenk, wie dies oft bei Modellen vorkommt, dann entsteht da- 
durch eine häßliche Linie. 
Um den Grad der bisher erwähnten Merkmale beurteilen zu können, 
sind die Figuren 229-232 so einander gegenübergestellt, daß die 
Ansicht des weiblichen Skeletes mit der des männlichen direkt von vorn 
und von hinten vergleichbar ist. Bei der Betrachtung von vorn wird die 
Verschiedenheit der Stirnbildung, die geringere Größe des Gesichts- 
schädels, die durchaus andere Gestalt des Brustkorbes und des Beckens 
sehr gut ersichtlich. Bei der Betrachtung von rückwärts sind zwar nur 
die charakteristischen Merkmale des Brustkorbes und des Beckens der Be- 
urteilung zugänglich, aber gerade hier treten die oben erwähnten Formen, 
die als sexuelle Variabilität bekannt sind, mit größter Schärfe hervor. 
Die unteren Gliedmafsen zeigen eine andere Richtung der Achsen 
bei der Frau als bei dem Mann. Wegen der größeren Breite des Beckens 
stehen die Hüftgelenkpfannen weiter auseinander. Eine natürliche Folge 
davon ist eine stärkere Ausladung der großen Rollhügel. Auch dies be- 
stätigt sich bei der Betrachtung unserer Figuren. Um dennoch die 
Schwankungen des Körpers beim Gehen, welche eine so beträchtliche 
Entfernung der Stützpunkte mit sich bringt, zu vermindern, ist der Winkel 
zwischen dem Hals und dem Mittelstück des Oberschenkelknochens kleiner 
als bei dem Mann. Eine geringe Abnahme des Winkels genügt schon, 
um die größere Konvergenz der Oberschenkel gegen das Knie hin bei der 
Frau herbeizuführen. Dieses Verhalten ist an der Figur 227 deutlich aus- 
geprägt. Bei dem Spielbein ist die Konvergenz des Oberschenkels gegen 
das Knie viel starker, als sie bei derselben Stellung des Mannes auf- 
treten würde. Bei der Frau stellt sich das Knie infolge des oben- 
erwähnten Winkels eben stärker nach innen, wie dies auch von der
        

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