Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952454
Anatomie 
YVeibes. 
des 
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des Weibes zeigen auch stärkere Atmungsbewegungen als die des Mannes, 
weil die oberen Lungenlappen bei ihnen starker entwickelt sind und mehr 
Luft in sich aufnehmen, als die des Mannes. Deshalb erscheinen die 
Atmungsbewegungen beim Weibe starker und der weibliche Busen wogt 
selbst bei geringen Anstrengungen. Sie ertragen leichter eine Schnür- 
brust, welche die untere Thoraxpartie einengt, als die Männer, die gerade 
jenen Teil des Brustkorbes beim stärkeren Atmen zumeist ausdehnen, sie 
empünden weniger Atemnot bei Greschwülsten im Unterleib oder der Bauch- 
wassersucht, weil durch die größere Entwickelung der oberen Lungen- 
lappen schon dafür gesorgt wurde, daß während der Schwangerschaft die 
an und für sich beschwerliche Vergrößerung und Füllung des Unterleibes 
nicht noch durch Atemnot unerträglich werde. Ungleichheit beider Thorax- 
halften ist etwas Gewöhnliches, sie ist nicht immer krankhaft. Die Mehr- 
zahl der Männer, die rechtshandig sind, haben rechts zwischen 1f2-2 Centi- 
meter mehr Umfang als links. Bei Linkshandigen ist es umgekehrt oder- 
es sind beide Seiten gleich. Bei Frauen ist der Unterschied wegen der 
geringeren Entwickelung des rechten Armes wohl ebenfalls geringer, doch 
ist hierüber nichts bekannt. 
Die Frau besitzt einen etwas längeren Unterleib als der Mann. Das 
wird von allen Beobachtern angegeben, auch die Darstellungen der Antike 
stimmen damit überein, und alle folgenden Figuren sind ein deutlicher 
Beleg hierfür, allein die Thatsache bangt offenbar von sehr verschiedenen 
Umständen ab. Das untere Ende des Brustbeines liegt bei dem Weib 
höher, und damit auch die Magengrube; dann kommt die geringe Höhe 
des Beckens in Betracht und endlich der Umstand, daß die unteren 
Rippen bei der Frau kleinere Bogensegmente beschreiben und mehr ge- 
senkt sind, als jene des Mannes und in den Bauchmuskeln und dem Fett 
sich dem Blick völlig entziehen. So kommt es, daß schließlich bei der 
gleichzeitig starken Ausladung des Beckens das Ende des Brustkorbes 
bei der Frau nicht durch die Haut bemerkbar ist, und daß wegen der 
hohen Lage der Herzgrube der Leib länger erscheint, als dies in Wirk- 
lichkeit der Fall ist. Umgekehrt ist das Thoraxende des Mannes wegen 
der großen Weite besonders deutlich, und dem hohen und schmalen 
Becken gerade von vorn betrachtet mehr genähert. Vergleiche die Fi- 
guren 24 S. 47, 28 S. 52 und die Figuren der Mädchen. 
Das Becken bietet die auffallendsten sexuellen Merkmale. Es ist 
bei der Frau in allen seinen Teilen Weit, namentlich sind die schaufel- 
artigen Darmbeine weit ausgelegt. Daher rührt die bedeutendere Wöl- 
bung der Hüfte, welche so stark sein kann, daß der Beckengürtel den 
Sehultergürtel an Breite übertrifft. An dem größeren Umfang des weib- 
lichen Beckens beteiligt sich auch das Kreuzbein, das breiter und kürzer 
und mehr nach hinten gerichtet ist. Die Sitzbeine sind weiter von 
KOLLMANN, Plastische Anatomie. II. Aufl. 30
        

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