Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952409
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Zweiter Teil. 
Erster Abschnitt. 
erscheint durch die ernahrenden Brüste reich und weich. Die Mitte des 
Körpers, das Becken, ist breit entwickelt; die Sitzteile wie ein Gegen- 
gewicht gegen den befruchtenden Leib sind umfangreich ausgestaltet. Der 
Schwerpunkt wird dadurch mehr nach unten verlegt. Die Beine sind 
kürzer als beim Mann, namentlich vom Knie abwärts. Durch die 
Schwellung der vollen Schenkel zu den breiten Hüften, und durch die 
Stellung des Gelenkkopfes zu der Achse des Schenkelknochens ist die 
Richtung der Oberschenkel nach der Mittellinie starker konvergent 
(Fig. 227); sie machen dadurch nicht den geraden, festen Eindruck. Das 
Haar ist weicher, die Haut zarter, durchscheinender. Alle Formen sind 
mehr durch die Fettbildung überkleidet und zueinander vermittelt, wo- 
durch der weiche Schwung der Linien entsteht, während Muskeln, Sehnen, 
Adern, Knochen beim Manne unverhüllter zu Tage treten. 
An diese allgemeinen Bemerkungen reihen sich die Angaben über 
Merkmale 
des 
weiblichen 
Skeletes. 
Alle Knochen sind schwacher, mit weniger vorspringenden Ecken 
und Fortsätzen. Auch die Bänder sind entsprechend dünner. Dabei ist 
jedoch stets zu erwägen, daß alle Formen vorhanden sind, und nichts 
Wesentliches fehlt, nur jene Merkmale sind gemindert, welche durch ver- 
mehrte Muskelstarke und Muskelarheit an den Knochen des Mannes be- 
dingt werden. Tritt die Frau aus dem, bei den europäischen Völkern 
gewohnten Kreis von mäßiger Muskelarbeit heraus, wird sie Lastträgerin, 
oder vollbringt sie, wie bei manchen Naturvölkern die schwere Feldarbeit, 
während der Mann sich um Jagd und Handel kümmert, dann erhalten 
die Knochen Vorsprünge und Kanten, wie bei Männern. Die Verschieden- 
heit der Lebensweise prägt sich also auch an dem Knochen deutlich aus. 
Der Unterschied kann so groß werden wie zwischen den Knochen_wilder 
und pzahmer (domestizierter) Tier-Rassen und die Entscheidung, ob lman 
in einem bestimmten Falle den Schädel eines Mannes oder eines Weibes 
vor sich habe, in hohem Grade erschweren. In der Mehrzahl der Falle 
ist freilich der Unterschied unverkennbar;  
Die feinere Modellierung des weiblichen Skeletes geht jedoch niemals 
bis zur Unterdrückung der Rassenmerkmale, namentlich nicht an dem 
Schädel. Es wurde schon wiederholt erwähnt, daß wir in Europa die 
Abkömmlinge mehrerer Menschenvarietaten besitzen, die im Gesicht durch 
zwei extreme Formen charakterisiert sind. Die eine dieser Varietäten be- 
sitzt ein schmales, langes Gesicht, mit hoher gerader Nase und eng an- 
liegenden Jochbogen, die andere ein kurzes und breites Gesicht mit ein- 
gedrücktem Nasenrücken und weit ausgelegten Jochbogen. Diese beiden 
Gegensätze treten mit voller Klarheit auch an dem weiblichen Schädel 
hervor, und keine der sonst so einfiußreichen Lebensbedingungen ist im-
        

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