Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1952356
der Gliedmaßen. 
Bluskeln 
457 
das äußere zwischen der Beuger- und Streckergruppe sich zum Ober- 
sehenkelknochen begiebt (Fig. 223), während das innere zwischen den 
Streekern und den Zuziehern sich in die Tiefe senkt. Das äußere 
Zwisehenmuskelband verursacht bei forcierter Streckung des Beines eine 
tiefe Rinne, welche vor dem Ansatz des großen Gesäßmuskels beginnt und 
bis oberhalb des Wadenbeinköpfehens herabzieht, auf der Figur 223 als 
Bicepsfurche (Sulcus biczjuitis) bezeichnet. (Vergl. die Bligg. 75, 100,187, 
206, 211 u. Bei Frauen ist nur eine schwache Andeutung davon 
zu sehen. 
Am 
Unterschenkel 
bildet 
die 
Fascie 
ebenfalls 
Muskelscheiden 
und 
hat ebenfalls Verbindungen mit den Knochen. Unter diesen sind be- 
merkenswert die Verbindungen mit dem Wadenbein, wodurch die Waden- 
beinmuskeln einerseits von der Gruppe der Strecker, andererseits von der 
Gruppe der Beuger getrennt werden; dann die Verwachsung mit dem 
Schienbein, wodurch die innere Fläche desselben stets von Muskeln frei 
bleibt. In der Nähe des Sprunggelenkes entwickeln sich circuläre Fasern, 
die unter dem Namen des Ringbandes (Ligamentuwz amzulare) bekannt 
sind. Es hält mit dem tieferliegenden Kreuzband, das ebenfalls von der 
Fascie stammt, die Strecksehnen auf dem Rücken des Fußes zurück 
(Fig. 219), so daß sie sich bei der Bewegung nur wenig von der Unterlage 
entfernen können; am meisten der Tibialis anticus (siehe Fig. 220 S. 449 
u. Fig. 225)? Über die Fascie am Fuß siehe weitere Angaben auf S. 451. 
Am 
Schluß 
der 
Abschnitte 
über 
die 
Muskeln 
und 
Knochen 
sei 
auf 
eine Erscheinung in der Kunst der Renaissance hingewiesen, an 
der auch die Anatomie einen Anteil hat. Unter den Errungenschaften 
des 16. Jahrhunderts wird mit Recht die völlige Befreiung der körper- 
lichen Bewegung hervorgehoben gegenüber dem Quattrocento, dessen 
Schöpfungen eine gewisse Armut und Leere anhaftet, insofern von den 
Gelenken doch nur ein beschränkter Gebrauch gemacht ist und die Mög- 
lichkeiten der Wendungen und Biegungen des Körpers nur bis zu einem 
gewissen Grade ausgebeutet zu sein pflegen. Das 16. Jahrhundert setzt 
dagegen mit einer Entfaltung des Körpers, mit einer Bereicherung der 
Erscheinung selbst bei dem ruhigen Gebilde ein, sodaß man sich an den 
Anfang einer ganz neuen Epoche gestellt sieht? Wenn das Bild eines 
Sitzenden, Stehenden oder Lehnenden erscheint, dann treten Wendungs- 
kontraste zwischen Ober- und Ünterkörper, zwischen Kopf und Brust auf; 
andere Kontraste zeigen sich durch Hochstellen einesFußes, durch Über- 
1 BARDELEBEN, Über Fascien und Fascienspanner. Sitzungsberichte der Jenaischen 
Gesellschaft für Medizin und Naturwissenschaften 1878, S. 94. Ausführlicher ebenda. 
Bd. XV.  HANS Vmcnow, Archiv f. Anat. u. Phys. 1888. Physiol. Abth. S. 390. 
2 H. YVGLFFLIN, Die klassische Kunst. Eine Einführung in die italienische 
Renaissance. München 1899. Mit 110 Abbildungen im Text.
        

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