Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947989
Erster 
Abschnitt. 
müssen sie, wie z. B. bei dem WVinkelgelenk, durch eine sogenannte Gelenkachse 
miteinander verbunden werden. Bei den Gelenken unseres Körpers spricht man zwar 
von einer solchen, aber sie wird theoretisch angenommen, um durch ihre Richtung 
den Gang zu veranschaulichen. In Wirklichkeit existiert sie nicht, nnd dennoch ent- 
fernen sich unter normalen Verhältnissen die berührenden Flächen niemals voneinander. 
Die Natur erreicht den Kontakt der Gelenkdächen: 
1. durch den Luftdruck. Die Gelenkhöhlcn sind luftleer, wie neben anderen 
Belegen namentlich ihre Entstehung beweist. Arme und Beine wachsen an der Seite 
des Rumpfes allmählich hervor gleich Knospen. Dann beginnt unter der allseitig 
geschlossenen Haut der Glieder zuerst die Bildung der Gelenke an bestimmten Punkten. 
Später hilft der Muskelzug die Gelenkenden zu cylindrischen und kugelförmigen 
Flächen zuzuschleifen. Ziehen die Muskeln z. B. ausschließlich an zwei sich gegen- 
überliegenden Punkten des Gelenkes, so wird ein Winkelgelenk entstehen müssen, 
bewegen sie aber den einen Knochen nach allen Seiten, so ist die Bildung eines 
kugligen Gelenkkopfes unausbleiblich. Weder vor, noch nach der Geburt dringt 
atmosphärische Luft in die Gelenke; alle Teile berühren sich, aneinander gedrängt 
durch den Druck der äußern Luft. Nachdem dieser Druck auf einen Quadratcentimeter 
Fläche ungefähr mit dem Gewicht von 1 Kilogramm preßt, so erleidet eine Gelenk- 
flache von 20 Quadratcentimetern schon einen Druck von 20 Kilogrammen. Die Ge- 
brüder Wnßnn haben an dem Hüftgelenk der Leiche bewiesen, daß der Schenkelkopf 
in seiner Pfanne auch ohne Bänder und ohne Muskeln an seinem Platze bleibe, und 
daß der Luftdruck vollkommen ausreiche, die Kugeliiächen der Pfanne und des 
Schenkelkopfes in gegenseitiger Berührung zu erhalten. Zu dieser überraschenden 
Leistung des Luftdruckes kommt  
2. die Adhäsion, das ist die Erscheinung, daß glatte Flächen aneinander 
haften, sobald sich eine dünne Schicht Flüssigkeit zwischen denselben befindet. Sie 
lassen sich zwar verschieben, doch nicht abheben. Ganz dieselbe physikalische Wirkung, 
wie hier das Wasser, hat zwischen den glatten Gelenkflächen die Synovia. Luftdruck 
und Adhäsion werden also in dem Organismus mit eminentem Vorteil verwendet, weil 
sie wirksam sind, ohne [auch nur den geringsten Kraftaufwand zu erfordern. Sie 
äquilibrieren so vollständig das Gewicht der Glieder, daß wir von ihm nicht das ge- 
ringste verspüren, daß die Beine in ihren Pfannen schwingen nach den Gesetzen eines 
freihängenden Pendels, und daß die ganze Kraft der Muskeln für die Bewegungen 
verwendbar bleibt. Zu diesen beiden unausgesetzt wirksamen Naturkräften kommt 
überdies der Zug der über das Gelenk hinwegziehenden Muskeln. 
Gelenkformeu. 
In einem aus Kapsel, Hilfsbändern und glatten Knochen bestehenden 
Gelenk hängt die Art der Bewegung von der Form der sich berührenden 
Flächen ab. Man hat nun haupsächlich die Form als Einteilungsgrund 
benützt, und unterscheidet Gelenke mit kugelförmigen Flächen! K11 gel- und 
Nußgelenke, dann Gelenke mit schraubenförmigen Flächen: Winkel- 
gelenke (Werk-Scharniere oder Kniegelenke); zusammengesetzte GeÄ 
lenke, in denen sich drei oder mehrere Gelenkenden mit verschiedenen 
Rotationsiiachen begegnen, und endlich ebene oder straffe Gelenke. 
Diese beiden ersten Formen sind so allgemein bekannt, daß wir bei ihrer 
Beschreibung auf mechanische Hilfsmittel des täglichen Lebens izum' Ver- 
gleich hinweisen können.
        

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