Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947973
Das 
Skelet. 
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Die Kapsel ist also nicht gespannt, allein der Grad der Schlaii- 
heit überschreitet im normalen Zustande niemals eine bestimmte Grenze. 
Übermaß wäre hier ebenso gefährlich geworden wie Mangel. Die Sicher- 
heit der Bewegungen hängt sogar zum Teil davon ab, daß in einer be- 
stimmten Stellung des Gelenkes die Kapsel sich spannt und hemmend 
eingreift. Aus diesem Grunde sind oft in die Kapseln noch starke Band- 
massen eingewebt, um die Beweglichkeit am rechten Punkte einzuschränken. 
Ihre Aufgabe besteht also auch darin, in den extremen Stellungen die 
Trennung der Gelenkflächen zu verhindern, oder, wie die Mechaniker sich 
ausdrücken, das "Abhebeln" zu vermeiden. Eine solche Wirkung der 
Kapsel und ihrer Bänder wird dann als "Bandhemmung" bezeichnet. 
(Fig. 5 Nr. 1 ist der obere Teil der Kapsel gespannt, während der untere 
Nr. 1' in Falten gelegt ist.) So erfährt also die Bewegungstähigkeit bei 
einer bestimmten Stellung der sich berührenden Knochen eine Beschrän- 
kung durch die Spannung der Kapsel. 
Knochenvorsprünge in der Umgebung des Gelenkes können ebenfalls 
an einem bestimmten Punkte hemmend eingreifen. Solche Vorrichtung 
wird als Knochenhemmung bezeichnet. Für die Bewegung im Ober- 
armgelenk bilden die Schulterhöhe (Fig. 3 Nr. 4) und der Knochenvorsprung 
bei Nr. 3 (Tubercztlum wzajzes) zusammen eine Knochenhemmung. Denn so- 
bald die beiden Punkte (Fig. 3 Nr. 3, 4 aneinandergerückt sind, beginnt 
die Hemmung. Jede weitere Bewegung in dem Gelenk ist in der Rich- 
tung nach oben unmöglich. 
Eine Hemmung kann endlich noch durch die Wirkung der Muskeln erzielt 
werden, wenn sie wie Zügel der Bewegung ein Ziel setzen. 
Hilfsbänder (Ligamenta auxßiliaria) sind derbe Stränge, welche 
zwischen den sich berührenden Knochen ausgespannt sind, um die Ver- 
bindung zu kräftigen oder die Beweglichkeit einzuschränken. 
Eine besondere Eigentümlichkeit gewisser Gelenke sind die sogenannten 
Zwischenknorpel (CaTtilag-incs mterartiaulares). Sie kommen nur in Ge- 
lenken mit sehr flachen Gelenkpfannen vor, um die Formverschiedenheiten 
auszugleichen. Das ist besonders in dem Kniegelenk der Fall. 
Wer mit dem Auge des Meehanikers die Konstruktion der Gelenke betrachtet, 
mag wohl oft eine neidische Regung verspüren, wenn er die außerordentliche Leichtig- 
keit der Bewegungen und ihre Mannigfaltigkeit erwägt, da die Gelenke doch aus 
verhältnismäßig leicht zerstörbaren Stoffen hergestellt sind. Er sieht glatt polierte 
Flächen geräuschlos sich verschieben; mit weisem Maß werden alle Stellen durch 
kleine Mengen eines durchsichtigen Saftes, der Gelenkschmiere, befeuchtet, um jeden 
durch Reibung bedingten Kraftverlust so viel als möglich herabzusetzen. In der That, 
der Reibungswiderstand ist gleich Null. Diese Gelenksehmiere fließt ungeheißen zu, 
ist von der denkbar vortreiflichsten Zusammensetzung. Das Ol, womit die Gelenke 
der Maschinen glatt erhalten werden, wird schon nach kurzer Zeit zäh und verharzt.  
Überdies gebietet die Natur über Kräfte, deren Anwendung der Mechanik wohl nie- 
mals gelingen wird, nämlieh über die Adhäsion und den Luftdruck. Sollen die 
Gelenkflächen unserer Maschinen beständig in gegenseitiger Berührung bleiben, so
        

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