Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951982
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Neunter Abschnitt. 
vorderen Rand des mittleren Gesäßmuskels.  Die Betrachtung der eben beschriebenen 
Region des Hüftbeines muß zuerst an einem mageren Menschen angestellt werden, 
dessen schwache Muskeln den großen Rollhügel wie eine breite Geschwulst hervor- 
treten lassen. Je kräftiger die Muskulatur entwickelt ist, desto schwieriger ist für 
den Anfänger die Orientierung, weil der Knochenvorsprung tiefer liegt als die ihn 
umgebenden Fleischmassen. Die oberflächliche Muskellage deckt noch eine Reihe 
anderer Muskeln, welche von dem Hüftbein kommen und an dem Rollhiigel oder 
seiner nächsten Umgebung sich befestigen: 
Der kleinste Gesäßmuskel (Glutaeus minimus, Fig. 210 Nr. 1); er hilft das 
Bein spreizen. 
An ihn reiht sich der birnförmige Muskel (M. pyriformis, Fig. 210 Nr. 3), 
der das große Hüftbeinloch ausfüllt. 
Der innere Hiiftlochmuskel (M. obturator internus), der das Hüftbeinloch 
von innen her bedeckt, samt seinen zwei kleinen Nebenköpfen. 
Der viereckige Schenkelmuskel (M. quadratus femoris, Fig. 210 Nr.6), 
der breit und kurz zwischen der äußeren Fläche des Sitzknorrens und der rauhen 
Linie dicht am Rollhügel ausgespannt ist. Alle diese Muskeln bilden die tiefe 
Schichte der äußeren Hüftbeinmuskeln. Die drei zuletzt erwähnten sind mit dem 
äußeren Hüftlochmuskel (M. obturalor externus) Auswärtsroller des Beines. 
Die Gesäßgegend und ihre Formen bedingt durch Stand- und 
Spielbein. Die Gesäßgegend hat eine ziemlich deutliche Abgrenzung. 
Am bestimmtesten ist dieselbe nach der hinteren Schenkeliläche hin durch 
die überhängende Glutaealfalte, die zwischen den Schenkeln beginnt, 
und quer, in leicht gewölbtem Bogen nach außen zieht, um an der äußeren 
Grenze der Beugergruppe allmählich auszulaufen (Fig. 205). Die obere 
Grenze wurde schon in dem Kapitel "Haut" eingehend besprochen, sie 
fällt mit den Grenzen des Sacraldreieckes zusammen und folgt dann dem 
oberen Rand des Hüftbeinkammes. In der Mitte wird sie durch die 
Afterfurche in zwei Hälften getrennt. Die oben erwähnten Grenzen sind 
sicher festzustellen, dagegen ist eine seitliche Abgrenzung schwierig, denn 
die Gegend geht allmählich in die Seitenfläche des Oberschenkels über. 
Während der Ruhe herrscht auf beiden Körperhälften vollständige Sym- 
metrie, aber sie hört mit der veränderten Stellung der Beine auf. Der 
Unterschied dieser Gegend auf der Seite des Stand- und auf der Seite 
des Spielbeines soll genauer erörtert werden. Das Standbein trägt die 
Körperlast, die Muskeln machen dabei die Extremität zu einer festen 
Säule und dazu hilft auch der große Gesäßmuskel, er wird prall, seine 
derben Muskelbündel springen hervor, denn er wird durch Verkürzung 
stärker gewölbt und seine Sehne wird so an die tiefliegenden Schichten 
angedrückt, daß eine flache, ansehnliche Grube, die Trochantergrube, 
entsteht (Fig. 205). Dabei spannt er auch die Schenkelfascie auf der 
äußeren Seite bis hinab zum Schienbein. Ganz anders ist die Form des 
Gesäßes an dem Spielbein, das den Körper nicht stützt. Der Muskel ist 
dabei erschlafft; er und das in der Nähe befindliche Fett sinken der 
Schwere folgend hinab, die Glutaealfalte verläuft nicht mehr horizontal,
        

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