Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951883
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Neunter Abschnitt. 
Aus der Beschreibung der Zwischenknochen  und der Spulwurm- 
muskeln geht hervor, daß die Sehne auf der Rückenfläche der Finger 
einen sehr zusammengesetzten Bau erhält, denn sie wird aus dem Zufluß 
der ebengenannten Muskelsehnen und den Sehnen des langen Streckers 
hergestellt, der von dem Vorderarm herabkommt. Der Zeigeünger auf 
Figur 202 giebt ein Bild der Rückensehne der Finger überhaupt. 
Bei Nr.1? kommt von dem Vorderarm die Strecksehne des Zeigefingers; 
diejenige des gemeinschaftlichen Streckers, welche für diesen Finger be- 
stimmt ist, wurde abgetragen und bei Nr. 17 sieht man ihren Querschnitt. 
Zu diesen beiden Sehnen stoßen die Sehnen des äußeren und inneren 
Zwischenknochenmuskels und eines Spulwurmmuskels. Dadurch entsteht 
ein dreieckiges Sehnenblatt, aus dem im weiteren Verlauf für jedes Glied 
die Ansatzbündel so geliefert werden, daß die Sehne dennoch ansehnlich 
stark das Nagelglied erreicht.  Man sollte erwarten, daß die Rücken- 
sehnen der Finger, die auf dem höchsten Punkt des Knöchels liegen, bei 
der Beugung von diesen rundlichen Vorsprüngen abgleiten. Dies geschieht 
jedoch nicht, weil die Sehnen der kleinen Muskeln, welche in der Hohl- 
hand liegen, heraufkommen und mit der Rückensehne verwachsen. Eine 
geringe seitliche Verschiebung wird jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen, 
wie man beim Ballen der Faust besonders an der Strecksehne des Zeige- 
üngers sehen kann, Welche 3-4 Millimeter weit nach der Daumen- 
seite rückt. 
Eine interessante Beweglichkeitsbeschränkung des vierten Fingers findet in 
Folgendem ihre Erklärung. Wenn man eine Faust macht, so kann jeder Finger einzeln 
wieder vollkommen gerade ausgestreckt werden, während die übrigen gebogen bleiben. 
Nur der Ringfinger läßt sich nicht vollkommen gegen den Handrücken strecken. 
Die vollständige Streckung desselben gelingt erst, wenn seine beiden Nachbarn, der 
Mittel- und Ohrünger, zugleich ausgestreckt werden. Die Strecksehne des Ringfingers 
hängt nämlich mit den Strecksehnen des Mittel- und Ohrfingers durch {ibröse 
Zwisehenbänder zusammen, welche, wenn Mittel- und Ohr-Enger gebeugt sind, die 
Strecksehne des Ringfingers so festhalten, daß nur die halbe Streckung zustande- 
kommen kann. Diese Zwischenbänder fehlen nie. Ihre Richtung ist keine quere, 
sondern von der Strecksehne des Ringfingers schief nach ab- und seitwärts, zu den 
Nachbarsehnen hingehend. 
Die Hohlhand enthält zum Schutz der in ihr verlaufenden Gefäße und Nerven 
ein derbes Fettpolster, das die 'Hohlhandfascie bedeckt. Werden die Finger ausge- 
streckt, so springen zwischen den Zügen dieser Fascie dicht vor dem Anfang der 
Finger kleine Fetthügel hervor, welche in der Chiromantie einst eine wichtige 
Rolle spielten. Die Wahrsager glaubten in diesen Hügeln und in den Furchen der 
Hohlhand die Schicksale des Menschen geschrieben zu sehen. Sie stützten sich dabei 
auf die Worte der Schrift: et erit signum in manu tua, "und es wird ein Zeichen in 
deiner Hand sein". Ein Teil dieser Linien hängt mit Gelenken zusammen, ein anderer 
entsteht durch Zusammendrängen der Haut bei dem Schluß der Hand. 
Die konstantesten dieser Linien sind:
        

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