Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947936
Das 
Skelet. 
23 
an und für sich nahegelegt. Die Anatomie hat durch diese vergleichende 
Prüfung schon längst die Überzeugung gewonnen, daß den Wirbeltieren 
ein gemeinsamer Bauplan zu Grunde liegt. Ist er auch bei den Fischen 
noch nicht so deutlich ausgeprägt, so tritt er doch bei den Amphibien 
durch die vollständige Trennung von Kopf, Rumpf und Gliedmaßen schon 
unverkennbar hervor, und besonders dann, wenn das Skelet berücksichtigt 
wird. Da zieht die Wirbelsäule als eine gegliederte Knochenreihe dem 
Rücken entlang, und am Vorderbein unterscheidet jeder Unbefangene 
den Ober- und den Vorderarm mit der daran befestigten fünffingerigen Hand. 
Dieses vergleichende Studium hat u. a. gelehrt, daß die Fortsätze an 
den Wirbeln mit der Zunahme der Muskulatur sich vermehren oder ver- 
größern, und mit deren Abnahme sich zurückbilden. Einer dieser Fortsätze, 
der Künstler besonders interessiert, ist der D ornf o rtsatz (Procßssus spimsus). 
Die Dornfortsätze bilden mit den benachbarten (ober- und unterhalb) 
eine Reihe in der hinteren Mittellinie des Körpers. Während der auf- 
rechten Stellung sind allerdings nur einige als rundliche Höcker bemerk- 
bar, namentlich in der Gegend des siebenten Hals- und ersten Brust- 
wirbels (Fig. 2 Nr. 6a, 7a, ebenso die darunter liegenden Fig. 2 Nr. 10a, 20a); 
aber sobald der Rücken sich krümmt, erscheint eine sehr beträchtliche 
Zahl. Diese Dornfortsätze sind nun ebenso wie die an den Wirbeln vor- 
kommenden Querfortsätze (Fig. 2 Nr. 6b, 7b, 9b) ausschließlich Angriffs- 
punkte für die Streck- und Drehmuskeln des Rückens. Sie leisten den 
Dienst von Hebelarmen, an denen die Muskeln sowohl mit Ersparung 
von Kraft als von Zeit wirksam thätig werden. Solche Fortsätze (Pro- 
cessus) giebt es an den Knochen in großer Zahl, und alle jene, welche 
als Muskelfortsätze in obigem Sinne von Bedeutung sind, wie die sog. 
Rollhügel am Oberschenkelbein (Fig. 2 Nr. 16b) oder der Ellbogen sind 
für die äußeren Formen wichtig. Sie liegen oberflächlich und sind durch 
die Haut hindurch zu erkennen, namentlich bei mageren Menschen, während 
sie bei Muskelstarken oder Fetten mehr verborgen sind, ja zum Teil sogar 
den Mittelpunkt von vertieften Flächen darstellen können (z. B. der große 
Rollhügel bei Frauen). Es empfiehlt sich also, für das Studium der 
Osteologie am Lebenden magere Modelle zu verwenden. 
An dem künstlichen Skelet, an welchem auch die Beinhaut durch 
die Fäulnis zerstört ist, zeigt sich bei genauerer Betrachtung, daß die 
Oberfläche des Knochens nicht überall die gleiche Dichtigkeit und das 
gleiche Aussehen hat. Die Mittelstücke der Röhrenknochen, das Schädel- 
dach und Teile des Skeletes, welche Höhlen zur Aufnahme der Organe 
bilden, erscheinen dem freien Auge von einem dichten Gefüge kompakter 
Substanz (Substantia compacta) geformt, polierbar und ohne größere Lücken. 
Die Enden der Röhrenknochen und die Wirbel sind dagegen von kleinen 
und großen Gefäßlöchern durchbohrt, welche in ein, aus sich kreuzenden 
Blättchen bestehendes Labyrinth von markhaltigen Räumen führen, welches"
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.