Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951515
Muskeln 
des Rumpfes. 
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Brusteingeweide und überdies dasjenige der beiden Arme. Welchen Auf- 
wand von Kraft und Übung schon das Stehen erfordert, tritt bei den 
ersten Versuchen des Kindes deutlich vor Augen. Kaum ist es frei hin- 
gestellt, so beginnen die Schwankungen und besonders nach vorwärts, weil 
die Eingeweide nach vorn von der Wirbelsäule liegen. Durch die Thätig- 
keit der Rückenstrecker wird der Zug des Gewichtes nach vorn zwar 
einige Zeit überwunden,_ aber sehr bald tritt Ermüdung der noch wenig 
geübten Rückenstrecker ein und das Kind stürzt nach vorn auf die 
Händchen, welche im Gefühl der Unsicherheit schon längst ausgestreckt 
wurden. Bei den ersten Gehversuchen kehrt dieselbe Erscheinung wieder. 
Bei jedem Schritt droht der Körper des Kindes nach vorn überzukippen 
und nur eine kräftige Zusammenziehung der Rückenstrecker vermag den 
drohenden Fall zu beseitigen. Erst nach vielen vergeblichen Anstrengungen 
ist jenes Maß von Übung und Kraft erreicht, der Schwerlinie des Rumpfes 
ihren Ünterstützungspunkt zu geben und dadurch das Gleichgewicht her- 
zustellen.  Ähnliche Erscheinungen kehren bei dem trunkenen Zecher 
wieder. Der Alkohol hebt die Herrschaft des Willens über die Muskeln 
teilweise auf, sie ziehen sich entweder verspätet oder zu stark zusammen, 
oder der Vifillensimpuls springt auf andere Muskelgruppen über, deren 
Zusammenziehung zwecklose Bewegungen hervorruft. Auch die Rücken- 
strecker, welche den einmal gelernten Dienst sonst mit großer Sicherheit 
und unbewußt vollbringen, künden den Gehorsam. Der Körper verliert 
das Gleichgewicht und droht nach vorn zu fallen. Dann beginnt jener 
seltsame Wettlauf, um den nach vorn stürzenden Oberkörper wieder mit 
Hilfe der Rückenstrecker in dieGleichgewichtslage zurückzubringen. Ge- 
lingt dies nicht schon nach einigen Schritten, dann ist der endliche Fall 
unausbleiblich, wenn nicht eine rettende Planke den weit vorgestreckten 
Armen sich darbietet. 
Bei der Seitwartsbiegung des Rumpfes ist nicht allein der ge- 
meinschaftliche Rückenstrecker, sondern es sind auch die Bauchmuskeln 
der betreffenden Seite beteiligt. Schulter und Hüfte rücken sich näher, 
während sie sich auf der entgegengesetzten Seite entfernen. Auf der ein- 
geknickten Seite verkleinern sich auch die Zwischenrippenraume, die 
letzten drei Rippen schieben sich sogar unter den Hüftbeinkamm hinein 
und die Haut staut sich auf, wie dies schon in einem früheren Abschnitt 
(S. 37 n. ff.) erwähnt wurde. Auf der entgegengesetzten Seite findet in 
jeder Hinsicht das Gegenteil statt. Hier besteht Spannung der Haut, die" 
Seite ist gewölbt, es markieren sich alle Teile des Skeletes, auch die- 
Muskelmassen des Rückenstreckers, besonders deren äußerer Rand, denn 
der Rückenstrecker hat die Aufgabe, die Rumpfbeuge zu überwachen, 
damit der Körper nicht zusammenknicke. Er beündet sich also, obwohl 
verlängert, dennoch in einem bestimmten Zustand der Kontraktion. Bei 
kräftigem Bau modelliert sich seine ganze untere Partie. Wo unterer
        

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