Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951250
Muskeln 
des Rumpfes. 
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Das Leistenband (Fig. 172 Nr.13) hat drei Befestigungen an dem 
Hüftbein: 1) An dem vorderen oberen Darmbeinstachel, 2) am Beginn 
des horizontal laufenden Schamheinastes, also in_ der Umgebung des 
Schenkelpfannenrandes, und '3) in der Nahe der Schamfuge. Auf dieser 
dreifachen Befestigung beruht die geringe Verschiebbarkeit des Leisten- 
bandes und die geschwungene Art seines Verlaufes. Der geschwungene 
Verlauf (Fig. 171 Nr. 10) tritt freilich nur an dem anatomischen Präparat 
in ganzer Scharfe hervor und wird durch die Haut etwas abgeschwächt, 
aber niemals stellt das Leistenband jene steile und gestreckte Linie dar, 
welche so viele Statuen aus der Augusteischen Periode aufweisen. 
Die Form des äußeren schiefen Bauchmuskels am Lebenden wird 
von dem Brustkorb, dem Becken und den geraden Bauchmuskeln beein- 
ilußt, wozu noch das Verhalten der Haut kommt. Die letzteren Be- 
ziehungen sind schon in dem Kapitel "Haut" hervorgehoben, hier sollen 
jene zum Becken berücksichtigt werden. Dort beschreibt der Muskel eine 
Linie, welche die Beckenlinie heißt, sie lauft dem oberen Beckenrand 
entlang und zieht dann gegen die Scham hinab. Sie entsteht dadurch, 
daß alle Bauchmuskeln und ihre Aponeurosen sich an dem oberen Rand 
des Beckens befestigen, das vorn einen großen Ausschnitt hat. Diese 
Beckenlinie ist an archaischen, an griechischen Bildwerken der Blüte- 
periode und an Werken römischer Kunst fast übereinstimmend. Aber 
diesen, durch viele Jahrhunderte dargestellten Schnitt findet man nicht 
an jedem Modell, denn das Fett der Haut und die Form des Beckens be- 
dingen manchen Wechsel. Der Übersichtlichkeit halber wollen wir an 
der Beckenlinie unterscheiden: den Weichenwulst am oberen Rand des 
Darmbeines, und die Leistenbeuge zwischen Scham und Spina. a) Der 
Weichenwulst schließt die Bauchwand seitlich durch eine starke Linie ab 
(Fig. 173 A  Sie folgt nicht dem Darmbeinkamm, sondern lauft _unter- 
halb desselben. Ist das Becken stark nach vorn geneigt, dann ist der 
Verlauf des Wulstes steil, ist das Fett unter der Haut vermehrt, ist er 
überhaupt schwach, weil dann das Fett den Wulst der Muskelbündel 
verdeckt. Auf der Figur 173B ist das Verhalten der Muskelbündel an 
einem Durchschnitt erläutert und zwar dort, wo sie über den Rand des 
Darmbeines herabsteigen, sich umschlagen, um dann aufsteigend die äußere 
Darmbeinlippe zu erreichen. Bei der Rumpfbeuge nach links verschwindet 
der rechte Weichenwulst und umgekehrt, weil der Muskel gedehnt wird. 
Solche Bewegungen sind lehrreich, weil die großen Verschiebungen der 
Haut hervortreten, welche bis zu drei Centimeter betragen können.  
Die Muskelbündel erreichen das vordere Ende des Hüftbeinkammes nicht, 
wie dies auf sämtlichen Figuren 171, 172 ebenfalls zu sehen ist, sondern 
bilden eine MüSkelecke. In dem Raum zwischen ihr und der Spina ver- 
lauft die Aponeurose. Sie liegt tiefer als die Muskelecke und der vordere 
Teil des Dßflllbeillkßmmes.  b) Die Leistenlinie ist am besten von
        

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