Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951230
Rumpfes. 
des 
Muskeln 
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den aufsteigenden Rippenknorpeln herrührende. Die Antike hat in 
ihren schon erwähnten, anatomisch vollendeten Figuren vortrefflich die 
Abstufung, welche in dieser dreifachen Reihe von Erhöhungen durch die 
Natur gegeben ist, zum Ausdruck gebracht. Nach ihr wußte Michel- 
angelo die Thatsache dieser dreifachen Reihe und die in ihr vorhandene 
Abstufung mit vollem Verständnis darzustellen. Die hinterste Reihe ist, 
das verdient besondere Erwähnung, was die Erhebung über die Haut 
betrifft, am meisten in die Augen fallend. Dann folgen die mehr breiten 
und flachen Erhebungen des äußeren schiefen Bauchmuskels, und dann 
erst von ganz anderer Form. und aus ganz anderem Material bestehend, 
die durch die Rippenknorpel verursachten Erhöhungen. An den zahl- 
reichen Christusiiguren einer späteren Zeit, Welche, ohne Verständnis der 
Formen, lediglich reproducierte, erscheinen diese Erhebungen wie eine 
dreifache Reihe unter die Haut geschobener Apfel.  An der Figur 47, 
die rechte Körperhälfte eines ruhig dastehenden Menschen, nach einer 
Photographie reproduciert, ist die siebente und achte Zacke des Säge- 
muskels sichtbar. Acht Millimeter nach vorn zieht ein ca. drei Milli- 
meter breiter Schatten in gebogener Linie aufwärts, er rührt von den 
oberen Zacken des äußeren schiefen Bauchmuskels her. Zwanzig Milli- 
meter von dem Zacken des Sägemuskels nach vorn zieht die Linie der 
Rippenknorpel in die Höhe, deren Schlagschatten jenseits auf den geraden 
Bauchmuskeln liegt. 
Bisher war vorzugsweise von den vier oberen Zacken die Rede, Weil 
diese vor allem bei kräftigem Bau in die Erscheinung treten. Die übrigen" 
Zacken sind an Länge und Stärke viel bedeutender, doch ist ihre 
Trennung weder an dem Ursprung, noch an dem Übergang in die breite 
Sehne für das Auge deutlich sichtbar; nur das anatomische Messer ver- 
mag die Ursprungszacken an den unteren Rippen durch Wegnahme des 
Fettes und der kleinen trennenden Bindegewebsschichten sichtbar zu 
machen oder  die kräftige Zusammenziehung bei einer Drehung des 
Rumpfes. Der Übergang der unteren Zacken in die Sehne ist gleichfalls 
nicht" mehr einzeln, durch Abrundung kenntlich gemacht, sondern alle 
Fleischbündel rücken nahezu gleichweit gegen die Mittellinie 
vor. An dem anatomischen Präparat läßt sich zwar ähnlich, wie in der 
Figur 172 noch eine schwache Andeutung von Zacken vermuten, welche 
durch das Vordringen von einzelnen Muskelbündeln und dem Zurück- 
bleiben anderer herrührt, allein die Unebenheiten sind so gering, daß sie 
durch das Fett und die Haut, auch wenn diese beiden Schichten noch 
so dünn sind, vollkommen verdeckt werden und am Lebenden nicht mehr 
erkennbar sind. Die Übergangslinie der Muskelbündel in die Sehne er- 
scheint also in dem unteren Abschnitt der Muskelplatte gerade und 
zwar erstreckt sich diese gerade Linie von der fünften Zacke an (von 
der Höhe des Oberen Randes der achten Rippe) bis zu dem vorderen
        

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