Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1951078
Muskeln des Rumpfes. 
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nach vorn (Figg.1ö6 u. 162). Auf derjenigen Seite aber, nach welcher 
die Drehung des Kopfes stattfand, ist die Halsregion verschmälert und 
der vertiefte Raum ist verschwunden. Der um die Halswirbelsäule herum- 
gelegte Kopfnicker hat sich mit seinem hinteren Rande dem Trapez- 
muskel so genähert, daß statt der vierseitigen Vertiefung nur eine Haut- 
rinne bemerkbar ist, die wir samt ihren Rändern eben mit dem Ausdruck 
"Hautfalte" bezeichnen. Das obere Ende der seitlichen Halsregion bietet 
kein besonderes Interesse, dagegen das untere, das als  
seitliche Halsgrube in der plastischen Anatomie noch besondere 
Erwähnung verdient. Sobald der Arm seine Stellung zu dem Rumpf 
verändert, erhält diese Grube eine andere Gestalt. In der Figur 158 
läßt sich durch die Schraffur bei Nr. 12 eine leicht angedeutete Vertiefung 
erkennen, die nach aufwärts sich allmählich verliert. Ihre untere Grenze 
ist das Schlüsselbein, ihre seitlichen Ränder, wie aus dem vorhergehenden 
zu entnehmen, der Kopfnicker und der Trapezmuskel. Geht man von 
der ruhigen Haltung des männlichen Körpers und der dadurch bedingten 
Ausdehnung der seitlichen Halsgrube aus, so ist folgendes zu beachten: 
Bei dem Zurückgreifen des Armes wird die Grube seichter, als sie 
bei der natürlichen Stellung der oberen Gliedmaßen ist, weil das Schlüssel- 
bein an die tiefe Schichte der Halsmuskeln gepreßt wird. Wird der Arm 
vorgestreckt, so vertieft sich dagegen die seitliche Halsgrube beträchtlich, 
weil das Schlüsselbein sich von dem Rumpf abhebt. Die Figur 165 zeigt 
zwischen Nr.1 u. 2 die seitliche Halsgrube auf der linken Seite bedeutend 
vertieft, weil der linke Arm vorgreift. Ihre untere Grenze, das Schlüssel- 
bein, ist deutlich ausgeprägt, ebenso der vordere Rand des Trapez- 
muskels, der, kraftigst entwickelt, an dem Akromialende des Schlüssel- 
beines sich befestigt.  
Zwischen der äußersten Abflachung und Vertiefung der seitlichen 
Halsgrube giebt es zahlreiche Übergänge, die sich leicht von selbst er- 
klären (vergl. die Figg. 160-163). Bei hochgehobenem Arm verschwindet 
die seitliche Halsgrube, ja selbst die Stelle, die sie einnahm, vollständig, 
denn der ganze Schultergürtel kann sich soweit in die Höhe heben, bis 
das Schlüsselbein und der Deltamuskel die Seitentläche des Halses be- 
rühren (Fig. 75 links). 
Auf die Gestalt der seitlichen Halsgrube ist auch das forcierte At- 
men und alle Thätigkeiten, welche davon abhängen, von wesentlichem 
Einfluß. Bei tiefer Einatmung sinkt die seitliche Halsgrube ein, um mit 
dem Beginn der Ausatmung wieder auf ihren früheren Stand zurück- 
zukehren. Bei dem Singen und Schreien, wobei allmahliches Ausströmen 
der in den Lungen enthaltenen Luft, bei verengter Stimmritze stattündet, 
füllt sich die seitliche Halsgrube mehr und mehr, je länger der Ton er- 
schallt, um in demselben Augenblick, wo eine neue Einatmung erfolgt, 
einer starken Einsenkung Platz zu" machen. Das Verständnis dieser
        

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