Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950890
Muskeln 
Kopfes. 
des 
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runzler legt mit einer schnellen Zuckung die Stirn in Längsfalten. Der 
Mund wird etwas geöffnet, als wollte man einen widrigen Bissen heraus- 
fallen lassen oder herausschleudern. Dabei werden die Lippen vorgestreckt, 
die Luft wird ausgestoßen mit einem hörbaren dumpfen Ton, als reinigte 
man sich die Kehle, er erinnert an die Silbe „uch". Die Oberlippe hebt 
sich dabei so heftig, daß die Nase in die Höhe gehoben wird, und sich 
der Beginn der Nasenlippenfurche stark vertieft. Der Oberkörper fährt 
zurück, und die Hände erheben sich, als sollte mit der flachen Hand der 
Gegenstand weggedrückt werden. 
Die nämlichen Gebärden drücken auch den Abscheu vor irgend einer 
widerwärtigen, verabscheuungswürdigen Handlung oder einer Person aus, 
obwohl es sich dabei nicht um die Entfernung eines widerlichen Bissens 
handelt. 
Eine Variante, die offenbar hohen mimischen Wert hat, weil sie 
außerordentlich charakteristisch ist, besteht in dem Schiefziehen des 
Mundes, wobei sich die Lippen etwas abheben, sich vorstrecken, während 
in der rundlichen Bucht der Eckzahn sichtbar wird.1 
Zweifel, Unentschiedenheit. Der Zweifel malt auf das Gesicht 
zunächst eine ähnliche Miene, wie jene des Nachdenkens, insofern nämlich 
die Augenbrauen in die Höhe gezogen und die Stirn durch die Wirkung 
des Stirnmuskels in Querfalten gelegt wird. Wir sehen also wieder die 
allgemeine Regel zum Durchbruch kommen, bei der sich das Auge öffnet, 
wenn es sich um Licht handelt. Der Zweifelnde befindet sich in einer 
Lage, die unklar ist und die durch Helligkeit, sei sie materiell, oder sei 
sie nur psychologisch, an Klarheit gewinnen und die Entscheidung er- 
leichtern soll. Während aber in der oberen Gesichtshälfte die Sehnsucht 
nach Licht hervortritt, zeigt sich in der unteren Gesichtshälfte, an dem 
Mund, der entgegengesetzte Ausdruck; er ist geschlossen und dabei sind 
die Mundwinkel nach abwärts gezogen, wie bei traurigen Erregungen un- 
serer Seele. Der Zweifel ist in der That das Hin- und Herschwanken 
zwischen zwei Empfindungen, die abwechselnd die Oberhand gewinnen, 
und dieser Widerstreit, hervorgerufen durch die Wahl zwischen zwei 
Möglichkeiten, spiegelt sich in den Gebärden des Gesichtes. Dabei ist 
der Blick in paralleler Stellung der Augenachsen entweder seitlich oder 
abwärts gerichtet, als erwarte das Auge aus der Ferne Hilfe für eine 
Entscheidung. Die Haltung des Kopfes ist etwas schief, er ist dabei 
leicht nach vorn geneigt und ändert- die Stellung bald nach rechts, bald 
nach links. Eine besonders charakteristische Gebärde ist die _des Achsel- 
zuckens, und zwar wird entweder nur die eine Achsel bewegt, oder beide. 
1 Ausspucken scheint ein allgemeiner Ausdruck der Verachfüng oder fies Ab" 
scheus zu sein, selbst die Australier spucken vor Abscheu auf dle Erde, dle Neger 
und Abessinier thun dasselbe.
        

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