Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950887
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Siebenter Abschnitt. 
vorgestrecktem Kopf, während die Arme mit heftigen Gebärden die Vor- 
würfe begleiten u. s. w. Aber so zahllos die Varianten auch sein mögen, 
das charakteristische Bild des gesamten Ausdruckes bleibt dadurch un- 
verändert. Es ist die Kunst, welche für die beabsichtigte Darstellung 
einer Situation auch die treEendste Ausdrucksform findet und eine der 
vielen Abstufungen herausgreift. 
Bei den folgenden Affekten: Spott, Hohn, Verachtung, Ab- 
scheu, Ekel" kann eine sehr ausdrucksvolle Miene vorkommen, die mit 
dem unbedeutenden Entblößen des Eckzahnes auf einer Seite des Gesichtes 
im Zusammenhänge steht. Ob sich in den schwächsten Graden dieser 
Affekte nun der Mund wirklich vollständig öffnet oder nur verzieht, ist 
für verschiedene Individuen verschieden,- aber die Bewegung ist höchst 
charakteristisch und gewinnt an Schärfe, sobald sie von einer leichten 
kurzen Ausatmung begleitet ist, wobei die Luft mit einem schwach zischen- 
den Geräusch durch die entstandene Lücke ausgestoßen wird. Dieselben 
Thätigkeiten wenden wir an, wenn wir einen widrigen Geruch wahr- 
nehmen, welohen wir von uns abzuhalten und wegzutreiben suchen. Der 
Blick wendet sich bei all den erwähnten Atfekten dem Gegenstand des 
Affektes nur kurz und von der Seite her zu und die Lider sind etwas 
geschlossen. 
Dieselben Bewegungen treten ein, wenn unsere Empfindungen von 
Verachtung beherrscht werden. Die halbgeschlossenen Lider und das 
Wegwenden des Gesichtes soll vielleicht die Flucht andeuten, durch die 
wir uns von dem Anblick des Verhaßten frei machen möchten. Es ist 
jedoch schwer zu sagen, ob diese Absicht ursprünglich die Gebärde be- 
stimmte oder die Absicht des Wegwerfens. Vielleicht darf man aus dem 
sprachlichen Ausdruck auf das letztere schließen. Der bezeichnete Aus- 
druck sagt nämlich: Der wegwerfende Blick begleite die Gebärde der 
Verachtung; der Verhaßte soll mit den Augen gefaßt und weggeschleudert 
werden. Die vielsagende Bedeutung wird dann durch Bewegungen des 
Mundes, der Nase, des Kopfes, der Hand und des Körpers unterstützt. 
Die Bewegung der Hand ist die des raschen Wegschleuderns eines leich- 
ten, wertlosen Gegenstandes. Die halbgeöifnete Hand dreht sich schnell 
nach außen, so daß jeder Gegenstand, der in ihr enthalten wäre, seitlich 
vonnnserem Weg fallen würde. Dabei wendet sich gleichzeitig der Kopf 
seitlich, so daß wir nicht einmal betrachten, wohin der weggeworfene 
Gegenstand fallt, so wenig Interesse besitzt er für uns. 
Verwandt sind die Gebärden des Abscheus, des Widerwillens 
und des Ekels. Der Grundton ist dabei das unserm Wesen Feindliche, 
sei's unserm Geschmack oder Geruch Widerwärtige. Die Ausdrucks- 
bewegungen spielen sich also nach derselben allgemeinen Regel ab, welche 
die Reflexe für Unlustaffekte beherrscht. Um die Augen zieht sich die 
Haut unter der Wirkung des Ringmuskels zusammen, und der Brauen-
        

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