Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950832
Kopfes. 
des 
Muskeln 
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Haut fortwirkend, der Wange entlang nach oben fort, so daß selbst die 
äußeren Augenwinkel ihre Lage etwas ändern im Vergleich zu der mitt- 
leren Stellung. Vergleicht man diese aber mit derjenigen bei dem Aus- 
druck des Lachens, so stehen die äußeren Augenwinkel offenbar tiefer. 
An der Figur 155 ist die kramphafte Zusammenziehung des Augenbrauen- 
runzlers besonders stark ausgeprägt. Die jugendliche Haut der Stirn 
läßt es in diesem Falle zu keinen senkrechten Falten kommen, allein die 
Annäherung der Augenbrauenbogen, das Dickerwerden der Stirnhaut in 
ihrem Bereich ist als eine Folge der Kontraktionen zu betrachten. Wie 
sehr der pyramidenförmige Muskel sich beteiligt, beweist der Wulst an 
der Nasenwurzel. 
Die Wirkung des Muskelzuges im Gesicht des Menschen wird verschieden sein 
bei fetten und bei mageren. Kinder- und Frauengesichter zeichnen sich bekanntlich 
durch den Mangel markierter Ziige aus. Dieser Mangel liegt nicht in einer ge- 
ringeren Erregbarkeit oder einer Monotonie der geistigen Stimmung, sondern an den 
Mitteln, Nüancen des Gefühlslebens wiederzuspiegeln. Wegen des Fettreichtums 
bilden sich weniger Falten. Apathie  Gleichgültigkeit ohne alle innere Bewegung, 
 Leidenschaftslosigkeit, den Vollgenuß inneren Behagens wird man leichter mit 
fetten Gesichtern ausdrücken können als mit mageren. Fettgesichter lassen auf 
körperliche und geistige Ruhe schließen. 
Sowohl bei physischem Schmerz als bei Leiden der Seele kann es zum Erguß 
von Thränen kommen, wobei stets dieselben Erregungen des Augenbrauenrunzlers mit 
denen des Ringmuskels bis zu dem Verschluß der Lider erfolgen; Zuckungen in der 
Muskulatur des Mundes gehen damit Hand in Hand. Bei Kindern springt die Er- 
regung von der Umgebung des Auges gleichzeitig auf die Muskulatur des Mundes 
über, die Mundwinkel zucken, werden nach abwärts gezogen, die Unterlippe hebt 
sich in der Mitte, d. h. in dem Bereich der unteren Schneidezähne, in die Höhe und 
wird etwas vorgestreckt. Diese Gebärde für den Schmerz erreicht eine weitere 
Entwickelung, sobald jemand in lautes Weinen ausbricht. Der! Mund öffnet sich jetzt 
dadurch, daß die Oberlippe in die Höhe gezogen wird, der Unterkiefer herabsinkt, 
und bei abwärts gezogenen Mundwinkeln der erste weinende Ton während des Aus- 
atmens, langgedehnt ausgestoßen wird. Es ist erklärlich, daß durch den Lidschluß 
bei dem Weinen die Oberlippe in die Höhe gezogen werden muß," denn der Ring- 
muskel des Mundes hängt durch den vierseitigen Muskel der Oberlippe sehr innig 
mit dem Kreismuskel des Auges zusammen. Zieht dieser sich also ungewöhnlich 
stark zusammen, so wird gleichzeitig die Oberlippe in die Höhe gezogen werden. 
Die Trauer zeigt in ihren Ausdrucksbewegungen eine nahe Verwandt- 
schaft mit dem Schmerz, aber sie hat bestimmte Merkmale, die sie unter- 
scheiden. Sie sollen hier aufgeführt werden, obwohl manche dieser Ein- 
zelnheiten weder der Pinsel noch der Meisel geben kann. Ist es doch 
die Aufgabe, hier den Ausdruck der Affekte zu schildern, zunächst un- 
bekümmert darum, wie weit das künstlerische Bedürfnis reicht. Bei der 
Trauer ist die Kraft der Muskeln beträchtlich herabgestimmt. Der Blick 
ist gesenkt, gerade so wie die Lider, die Augenbewegung ist trage; nur 
flüchtig erheben sich die Augen, um einen Gegenstand zu betrachten, sie 
kehren sofort zu ihrer früheren Stellung zurück. Der einzige Muskel, 
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