Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950782
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Siebenter Abschnitt. 
bezeichnet, bei denen der Aufheber der Stirn durch eine längere oder 
kürzere Zusammenziehung beteiligt ist. Bei dem Erstaunen wie bei 
der Verwunderung hebt sich unter seiner Wirkung ebenfalls die Stirn- 
haut und legt sich in parallele Falten. Mit ihr heben sich die Brauen, 
und die weitgeöffneten Augen zeichnen die sprachlose Verwunderung des 
naiven Beschauers, dessen Blick lange Zeit unverwandt auf dem neuen 
Gegenstande ruht. Die Überraschung, wodurch die Wirkung eines 
unerwarteten Ereignisses auf unseren Geist bezeichnet wird, drückt sich 
ebenfalls in verstärktem Öffnen der Augen mit gleichzeitiger Zusammen- 
ziehung des Stirnmuskels in eine Reihe von horizontalen Falten aus; die 
ganze Ausdrucksbewegung ist intensiv, aber von kurzer Dauer. Eine 
Steigerung der Gebärden besteht in dem Öifnen des Mundes und dem 
Herabsinken des Unterkiefers. Endlich kann der ganze Körper in Mit- 
leidenschaft gezogen werden, er reckt sich, die Hände werden erhoben, 
die Thatigkeit des Herzens wird beschleunigt, vermehrter Zuiluß des Blutes 
nach dem Kopf stellt sich ein, Erröten und sogar jener Zustand des 
Geistes, der als Verwirrung bezeichnet wird. 
Das weite Oifenhalten der Augen und des Mundes ist eine ganz_allgemein für 
die Überraschung oder das Erstaunen erkannte Ausdrucksform durch alle Menschen- 
rassen hindurch bis zu den Völkern Australiens. Bemerkenswert ist, daß sehr häufig 
mit denh Öffnen des Mundes ein kurzer Laut gehört wird, der mit dem Einatmen oder 
mit dem Ausatmen in Verbindung steht. Diese Laute können sehr verschieden sein, 
namentlich diejenigen, welche bei der Ausatmung entstehen.   „uih" kann 
man hören, dabei werden die Lippen vorgestreckt, ja manche spitzen den Mund und 
lassen aus Überraschung einen pfeifenden Ton hören. Die Hände spielen bei der 
Gebärde eine bedeutende Rolle. Die geöffneten Handflächen sind nach der Person 
hingekehrt, welche dies Gefühl verursacht, und die ausgestreckten Finger sind ge- 
spreizt. Auf dem "Abendmahl" von Lnommno DA Vmcr halten zwei der Apostel ihre 
Hände halb erhoben und drücken dadurch deutlich ihr Erstaunen aus. 
Überraschung mit der gleichzeitigen Wahrnehmung unmittelbarer 
Gefahr bringt das Gefühl der Furcht hervor, deren höchste Grade 
Schrecken und Entsetzen sind. Bei der Furcht werden zunächst die 
Augen und der Mund weit geöffnet, dann "die Augenbrauen erhoben und 
all das ebenfalls mit großer Schnelligkeit. Die unbedeckten und vor- 
tretenden Augapfel sind auf den Gegenstand des Schreckens fixiert oder 
können auch ruhelos von der einen Seite zur anderen rollen. Die Gesichts- 
züge erhalten etwas Versteinertes, denn die Züge bleiben einige Zeit 
starr, das Gesicht ist überdies erblaßt, selbst die Lippen werden weiß, 
welche sonst ihre Röte doch nur selten verlieren. Das Herz zieht sich 
nämlich schnell und heftig zusammen, so daß es stark an die Rippen 
pocht. Schon dieser Umstand stört die Zirkulation des Blutes, dazu 
kommt aber noch, daß wohl nebenbei das Nervenzentrum, von dem aus 
die Gefaßnerven beeinflußt werden, eine Verengerung der kleinen Gefäße 
direkt herbeiführt. Infolge dieser verminderten Blutzufuhr wird auch das
        

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