Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950730
Muskeln 
des 
Kopfes. 
297 
Wie die verschiedenen Arten der Fixierung den Augen einen bestimmten 
Ausdruck oder "Blick" geben, so giebt auch die verschiedene Art, wie 
eine Fixierung vermieden wird, ebenso verschiedene, charakteristische 
Arten des Blickes, namentlich anderen Personen gegenüber. Der Ge- 
demütigte oder Beschamte vermeidet die gegenüberstehende Person, 
vor der er sich zu scheuen hat, direkt zu fixieren. Er „kann ihr nicht 
in die Augen sehen". Er richtet deswegen ohne einen Zweck der Fixie- 
rung die Augen nach unten, womit sich ein leichtes Senken des oberen 
Augenlides und auch wohl des ganzen Kopfes zu verbinden ptiegt. 
Fixiert er auch dabei vielleicht einen bestimmten Gegenstand, etwa seine 
Fingerspitzen, so erscheint dieses als ein mehr Zufalliges, denn das 
Charakteristische seines Blickes bleibt doch immer das Vermeiden der 
Fixierung der gegenüberstehenden Person.  Einen anderen Blick zeigt, 
wer dem ihm gegenüberstehenden ebenfalls nicht in die Augen sehen 
darf aber sich nicht gebeugt fühlt. Auch er vermeidet die Fixierung 
des anderen, wendet aber die Augen seitwärts, zugleich. etwa auch wohl 
einen beliebigen Fixierungspunkt suchend. Es ist der Blick des ungebeug- 
ten Trotzes, der sich aber noch nicht bis zum Widerstande steigeät;  
es ist aber auch der Blick eines Menschen, der einen anderen nicht an- 
sehen darf, etwa aus Furcht, sich durch seine Gebärden zu verraten oder 
mit Lachen herauszuplatzen.  Das Mienenspiel des übrigen Gesichtes 
muß hier den Unterschied feststellen. 
Die starke Neigung oder starke Konvergenz der Augen- 
achsen ist notwendig für die Betrachtung ganz naher Objekte; die Hand 
oder das Buch vor dem Gesicht treffen die nach innen gekehrten Augen. 
In derselben Stellung befinden sie sich bei dem Schreibenden und bei 
dem Geizigen, der in seinem Golde wühlt. Bei solchem Blick nach ab- 
wärts ist immer gleichzeitig das obere Augenlid gesenkt. Rückt der 
Gegenstand dicht vor die Augen, so kann die Konvergenz bis zum Schielen 
fortschreiten. Der Zecher blickt auf den, an den Mund gesetzten Rand 
des Bechers und schielt wie derjenige, der seine eigene Nasenspitze 
betrachtet. 
Wir reihen hier aus praktischen Gründen die Charakteristik des 
toten Auges an, obwohl sie weder in das Kapitel des Blickes noch in 
dasjenige der Ausdrucksbewegung überhaupt gehört. 
Unterschied 
des 
Schlafenden 
und 
des 
Toten. 
Bei dem Schlafenden sind bekanntlich die Lider geschlossen, bei dem 
Toten meist, jedoch nicht immer. Nehmen wir der leichteren Vergleichung 
wegen an, das Auge des Toten sei geschlossen, so ist selbstverständlich, 
daß bei der Unsichtbarkeit des Augapfels in beiden Fällen der wesentliche 
Unterschied nur in der Form liegen kann, mit der die vordere Halb-
        

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