Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950686
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Siebenter Abschnitt. 
Physiognomik verfehlt ist, Welche auf solchen "Symbolen" sich aufbaut, so sind auch 
die Vergleichungen menschlicher Züge mit denjenigen der Tiere völlig wertlos, so- 
bald man sich aus ganz oberflächlichen Ähnlichkeiten für berechtigt hält, auf eine 
Verwandtschaft des Temperamentes oder sonstiger Eigenschaften zu schließen. 
Der 
Blick. 
Die Mimik des Blickes oder die Sprache der Augen ist am besten 
bekannt, sie wird am meisten studiert, weil sie wichtig und leicht ver- 
ständlich zugleich ist. Um dieselbe, soweit sie unwillkürlich, also ein 
Reflex der Aifekte ist, richtig zu beurteilen, sei hier zunächst beschrieben, 
wie der Blick, soweit er von dem Willen beherrscht wird, 
beurteilt werden muß. 
Die Richtung der Augen auf einen bestimmten Gegenstand heißt 
gemeiniglich „der' Blick". Er wird durch die Augenmuskeln herbei- 
geführt und geschieht bekanntlich immer in der Weise, daß sich beide 
Augen zugleich dem zu betrachtenden Gegenstand zuwenden. Wir können 
einen Gegenstand nur dann scharf sehen, wenn er im Vereinigungs- 
punkt der verlängerten Augenachsen liegt. Ist dies der Fall, 
dann "fixieren" wir. Schon früher wurde erwähnt, daß es nur eine 
Stelle in der Netzhaut giebt, durch welche die darauf entworfenen Bilder 
mit vollkommener Schärfe aufgefaßt werden können. Diese kleine Stelle 
liegt an dem hinteren Ende der Sehachse, also in der Mitte der Netzhaut. 
Je weiter ab von dieser Stelle, desto nndeutlicher werden die Eindrücke, 
ohne jedoch vollkommen unkenntlich zu sein. Dieser Einrichtung ver- 
danken wir die Wahrnehmung von Gegenständen, welche seitlich in den 
Bereich unserer Netzhaut gelangen, obwohl der Blick, d. h. die Stelle des 
schärfsten Sehens, direkt nach vorn gerichtet ist. Jene Gegenstände, 
deren Bilder die Seitenflächen der Netzhaut treffen, erscheinen aber un- 
bestimmt; wenn wir sie nach ihren Einzelnheiten kennen lernen wollen, 
muß der Blick, d. h. die Stelle des schärfsten Sehens, auf sie gerichtet 
werden. Folgende Thatsache ist für die Beurteilung des Blickes von 
großer Tragweite: 
Die Stellung der Augenachsen ist verschieden nach der 
Entfernung des Gegenstandes. Ruht der Blick in unendlicher 
Ferne, so ist die Konvergenz der Augenachsen so gering, daß wir sie 
als parallel gestellt erklären. Wendet er sich über eine weite Ebene 
hinweg dem fernen Horizonte zu, so ruhen die Augen in der horizontalen 
Ebene; sie sind weit geöffnet, um das volle Licht unbegrenzt in das 
Innere dringen zu lassen. Betrachten wir dagegen einen nahen Gegen- 
stand, so drehen sich die Augen und damit die Augenachsen nach innen, 
dem Zug der innern geraden Muskeln folgend. Von dem Punkte des 
schärfsten Sehens nach dem Gegenstand hin fortgesetzt gedacht, schneiden 
sich, wie der technische Ausdruck heißt, die beiden Augenachsen.
        

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