Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950655
Muskeln 
Kopfes. 
des 
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Energie hervortreten, auf dem jede Seelenbewegung durch ein charakter- 
istisches Kennzeichen bemerkbar wird, dessen lebhafter und stets bereiter 
Ausdruck dem Willen voraneilt, uns verrät, und durch pathetische Zeichen 
die Bilder unserer geheimsten Bewegungen der Außenwelt wiedergiebt. 
Die Seele ist also die Quelle des Ausdruckes, sie laßt unwillkürlich die 
Muskeln spielen, und läßt sie das Abbild unserer Leidenschaften auf das 
Gesicht malen. Die Erörterung über das Muskelspiel schließt sich am 
besten an die Anatomie der Antlitzmuskeln und an die Anatomie des 
Auges an, das der Mittelpunkt des Antlitzes ist. Wenn auch der ganze 
Körper an dem Ausdruck der Gemütsbewegungen teilnimmt, bei der 
Überschrift dieses Abschnittes denkt man doch zunächst an das Antlitz, 
weil seine Muskeln, in so naher Verbindung mit den Gehirnnerven, vor 
allem jene Spannungen der Haut hervorbringen, deren Gesamtheit wir 
mit dem Worte "Mimik" bezeichnen. Auf das Antlitz wendet sich zuerst 
der Blick, wenn wir den Ausdruck der Gemütsbewegungen an uns oder 
an unserer Umgebung studieren wollen. 
Alle Äußerungen der Gemütsbewegungen geschehen. ur- 
sprünglich unbewußt und unwillkürlich. Das ist eine wichtige 
Erkenntnis, zu der das Studium dieser Vorgänge geführt hat. Die Mus- 
keln sind freilich die Diener unserer Willensimpulse, welche bewußt aus 
dem Innern des Gehirns heraus gegeben werden, aber die Muskeln folgen 
auch oft den Erregungen der empfindenden Abteilung des Nervensystems, 
ohne daß irgend ein Willensimpuls dabei im Spiele wäre. In dem Gehirn 
ist ein Mechanismus vorhanden, der unbewußt die mimischen Muskeln 
erregen kann, es ist dies der sogenannte Reflexbogen; der Vorgang, 
der sich in ihm abspielt, heißt Reflex. Es ist dabei notwendig: die 
Erregung eines sensibeln Nerven; dann eine bestimmte Stelle in dem 
Zentralnervensystem, welche die Erregung empfängt, das Reflexzentrum, 
und ein motorischer Nerv, der von dem Zentrum zu den Muskeln hin- 
führt. Diese Einrichtung des Reflexbogens ist von der äußersten Feinheit 
der Konstruktion; der Vergleich mit einer Telegraphenleitung zwischen 
zwei bestimmten Orten ist trotz des Umstandes, daß das Telegraphen- 
büreau dem Reflexzentrum, die Drähte den Nerven vergleichbar sind, 
doch nur ein sehr unvollkommenes Beispiel, nicht als ob der Grad der 
mechanischen Komplikation nicht hinreichend dadurch angedeutet wäre, 
sondern weil bei den Nervenvorgängen, um die es sich hier handelt, das 
Bewußtsein ausgeschlossen ist. Das ist aber gerade der wichtigste Punkt, 
auf den es bei dem Studium der Ausdrucksbewegungen ankommt. 
Die Arten der Reflexe sind sehr zahlreich, es ist zweckmäßig an 
dieser Stelle zwei derselben auseinander zu halten: Der einfache Reflex 
ist dadurch charakterisiert, daß die Erregung eines sensibeln Bezirkes 
die Bewegung nur von einem Muskel oder doch nur von einer bestimmten 
Gruppe auslöst. So entsteht bei Berührung der Bindehaut des Auges 
Konsum, Plastische Anatomie. II. Auf]. 19
        

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