Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950511
Muskeln 
Kopfes. 
des 
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An der hinteren Kante der Lider stehen die punktförmigen ÖHnungen 
einer Reihe kleiner Drüsen, die Tarsaldrüsen der Lider genannt. Sie 
sind 4-6 mm lang und in die Substanz des Augenlidknorpels zu 30 
an der Zahl eingebettet. Ihr Produkt, fettähnlich, beölt den Lidrand, 
und verhindert das Überfließen der Thränen, so lange ihr Strom nicht zu 
reichlich in die Lidspalte sich ergießt. Dieser beölte Rand vermag be- 
kanntlich eine ziemlich beträchtliche Menge von Thränenllüssigkeit zurück- 
zuhalten. Sie staut sich und haftet als eine dünne Schichte auf dem 
Vorderrand des unteren Lides. Es ist dies jener Moment, der buchstäb- 
lich richtig bezeichnet ist mit den Worten: das Auge schwimmt in Thränen. 
Bekanntlich ist das deutliche Sehen dabei unmöglich. Licht dringt wohl 
ins Auge, aber die Bilder der Gegenstände sind verschwommen, weil die 
vor der Cornea befindliche Flüssigkeitsschichte die Brechung der Licht- 
strahlen ändert. Dieser "glänzende Thränenstreifen auf dem unteren 
Lidrande, "der feuchte Blick", ist sowohl malerisch "als plastisch dar- 
gestellt worden.  Im Alter ist das thränenfeuchte Auge auch ohne Trauer 
an der Tagesordnung, und auch sonst kann es bei dem weinseligen 
Zecher erscheinen. Daß das blöde Auge des Schnapssäufers permanent 
in Thränen schwimmt, wissen die Kenner des Unheils, das der Alkohol 
täglich in der Welt anstellt, sehr genau. 
Die Lidspalte bildet mit ihren beiden Enden die Augenwinkel, von 
welchen der äußere spitzig zulauft, der innere durch eine rundliche Bucht 
abgeschlossen ist. Am äußeren Winkel überschneidet die Begrenzungs- 
linie des oberen Lides jene des unteren; am inneren gehen die Begren- 
znngslinien bogenförmig in einander über. Der Bogen ist eng, und der 
Übergang in seinen Kontur geschieht nicht allmählich, sondern in einem 
stumpfen Winkel, der an dem unteren Augenlid stärker ist und einen 
kleinen Höcker darstellt, auch etwas weiter gegen die Cornea hingerückt 
ist, als der obere (in Figur 144 etwas zu schwach ausgeprägt, doch er- 
kennbar). 
Diese kleinen, kaum bemerkbaren Ecken werden für die Ableitung der Thränen 
nach der Nase hin von großer Bedeutung. Auf ihnen befindet sich je eine kleine 
kreisrunde Öffnung, der Anfang der Thränenkanälchen. Die aus der Thränendrüse 
abgesonderte Flüssigkeit wird über die vordere Fläche des Augapfels durch die Be- 
wegungen der Lider gegen den inneren Augenwinkel gedrängt und füllt dessen Bucht 
aus, welche deshalb auch den poetischen Namen Thräinensee (Lacus lacrymaruwz) 
erhalten hat. Nur wenn die Thränen im Überschüsse zuströmen, vermag er sie nicht 
zu fassen und läßt sie über die Wangen ablaufen. Die gewöhnlichen Abs0nderungs- 
mengen werden von den kleinen Mündungen der Thränenkanalcheu aufgesaugt und 
auf verborgenen Wegen und durch einen sinnreichen Mechanismus nach der Nase 
abgeführt. 
Die Tiefe des inneren Augenwinkels birgt ein Heisehrotes Höckerchen, 
die Thränenkarunkel (Fig. 144 Nr.4), die sich nach der Seite der 
Cornea, allmählich abflacht, und in einen scharfen lmm breften Rand 
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