Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950395
Muskeln 
des Kopfes. 
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also nur von dem Lichte dieses einen entsprechenden Flächenelementes in Erregung 
versetzt, und empfindet nur dieses, während durch das Licht benachbarter Punkte 
des Gesiehtsfeldes andere Nervenfasern erregt werden. Das Auge hat nun einen 
Vorzug vor den optischen Instrumenten, z. B. der Camera des Photographen, daß es 
ein sehr großes Gesichtsfeld hat, d. h. gleichzeitig einen sehr großen Kreis der Außen- 
welt übersieht. Die Netzhaut nimmt freilich nur an einer einzigen Stelle in der 
Netzhautgrube die Bilder mit vollkommener Schärfe wahr. Auf allen übrigen Teilen 
werden die Bilder ungenau gesehen, um so mehr, je weiter sie von dieser Grube 
entfernt sind. So gleicht denn das Gesichtsbild, welches wir durch ein Auge erhalten, 
einer Zeichnung, in welcher nur der mittlere Teil sehr fein und sauber ausgeführt, 
die Umgebung aber nur grob skizziert ist. Allein wir sehen ihn doch gleichzeitig 
im Zusammenhang mit seiner Umgebung, und wir sehen von letzterer mindestens 
so viel, um auf jeden auffallenden Gegenstand, namentlich aber auf jede Veränderung 
in diesem Umkreise sogleich aufmerksam werden zu können, was Alles in einem Fern- 
rohr nicht der Fall ist. Sind aber die Gegenstände zu klein, so erkennen wir sie 
überhaupt nicht mit den Seitenteilen der Netzhaut. 
Wenn hoch im blauen Raum verloren 
Ihr jubelnd Lied die Lerche singt, 
so ist sie uns eben verloren, so lange es nicht gelingt, ihr Bild auf die Netzhautgrube 
zu bringen, dann erst nehmen wir sie wahr. Den Blick auf einen Gegenstand hin- 
wenden heißt also: das Auge so stellen, daß das Bild jenes Gegenstandes 
sich auf der Stelle des deutlichsten Sehens abbildet. Dies nennt man auch 
direktes Sehen; indirektes dagegen, wenn wir mit den seitlichen Teilen der 
Netzhaut wahrnehmen. 
In der Beweglichkeit des Auges, welche uns erlaubt, schnell hintereinander den 
Blick jedem einzelnen Teile des Gesichtsfeldes zuzuwenden, liegt offenbar ein großer 
Teil der Bedeutung, welche dem Auge als Mittel seelischen Ausdruckes zukommt. 
Die Bewegung des Blickes ist eines der direktesten Zeichen der Aufmerksamkeit, und 
somit der Vorstellung im Geiste des Blickenden. Die Sprache enthält genug Belege 
für die verschiedenen Formen, unter denen der Blick einen Punkt genau fixiert: 
der Blick ruht wohlwollend auf einem Gegenstand, oder vernichtend, zornig, weg- 
werfend, liebevoll u. s. w., womit nur bestimmte Arten des Fixierens bezeichnet 
werden. 
Äußere 
Umgebung 
des 
Auges. 
Die Augenhöhle stellt eine liegende, hohle Knochenpyramide von vier- 
seitiger Gestalt dar. Beide Augenhöhlenpyramiden konvergieren mit ihren 
langen Achsen nach hinten. Die Grundliache jeder Pyramide ist der weit- 
geöffnete Eingang, der Augenh ö hleneingang, die Spitze liegt in einer 4 mm 
großen runden Öffnung, durch Welche der Sehnerv und die Augenschlagader 
in die Augenhöhle gelangen. Die Ränder der offenen Grundfläche der 
Pyramide werden von starken, die Wände der Pyramide dagegen von 
schwachen Knochenpartien gebildet. Der obere und äußere Rand des Augen- 
höhleneinganges ist massiver als die übrigen, da von diesen Richtungen her 
das Auge am meisten feindlichen Angriffen bloßgestellt ist. In der Knochen- 
lehre wurde schon an verschiedenen Stellen dieser Knochenrander Erwähnung 
gethan, namentlich wurde bei der Beschreibung des Stirnbeines und des
        

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