Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950380
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Siebenter Abschnitt. 
vom hellblau und blaugrau bis dunkelbraun wechselt. Blau, grau und 
braun sind in Europa weit verbreitet, und geben Belege für die Ver- 
schiedenartigkeit der, die Bevölkerung zusammensetzenden Elemente. 
Durch die Vermischung dieser verschiedenen Individuen sind, wie in der 
Gesichtsform, so auch in den Färbungen der Iris zahllose Abstufungen 
und Übergänge entstanden.  Der Iris ist die wichtige Rolle eines Licht- 
schirmes im Innern des Auges übertragen. Ihre zentrale Öifnung, die 
Pupille, erweitert und verengert sich und zwar tritt das letztere ein bei 
der Lichtftille des Tages, das erstere in der Dämmerung und in der 
Dunkelheit. Dieser Vorgang, der sich ohne unser Bewußtsein und ohne 
unseren Willen vollzieht, geschieht unter der sinnreichen Verkettung des 
Sehnerven mit den Bewegungsnerven, welche die in der Iris vorhandenen 
Muskelbündel abwechselnd erregen. Ist die Lichtfülle groß, so ziehen 
sich konzentrisch zur Pupille angebrachte Muskelbündel zusammen, welche 
als Ringmuskel der Pupille (Splmzcterpupillae) bezeichnet werden und 
mäßigen dadurch den Überschuß an Licht. Herrscht dagegen Licht- 
mangel, so Wirken radiargestellte Züge einer elastischen Substanz, welche 
ihren Ursprung an der Grenze zwischen Hornhaut und Sclera haben, und 
mit ihrem Ansatz in die Bündel des Ringmuskels eingreifen. So ist also 
das Sehlooh von wechselnder Größe und die Iris von verschiedener Breite. 
Erweiterte Pupillen geben dem Auge etwas weiches, es gewinnt gleichsam 
an Tiefe und fesselt den Beschauer durch das Fremdartige des Blickes. 
Die Frauen im Orient traufeln sich Atropin ins Auge, das die Pupille 
erweitert. Sie wollen in ihr Auge den seelenvollen Blick dauernd legen, 
der aus den erweiterten Pupillen besonders deutlich das Glück der Liebe 
verkünden soll. 
Die Netzhaut ist jene dünne, membranartige Ausbreitung des Sehnerven, 
welche das im Auge entworfene optische Bild auffangt. Die Fasern des Sehnerven 
strahlen dort in das regelmäßig angeordnete Mosaik feiner cylindrischer Stäbchen 
und Zapfen aus, welche dicht aneinander-gedrängt stehen und von denen jedes mit 
einer Nervenfaser verbunden ist. Dieses Mosaik der Nervenelementc stellt, wie sich 
durch bestimmte Versuche zeigen läßt, die eigentlich lichtempfindliche Schichte der 
Netzhaut dar. 
Die Netzhaut besitzt eine Stelle, an der alle mehr oder weniger trüben Bestand- 
teile ihres Baues bei Seite gedrängt sind. Selbst die ernährenden Gefäße sind von 
dieser Stelle verbannt und dürfen nicht in jenen Kreis eindringen, der etwas vertieft 
liegt und deshalb Netzhautgrube genannt wird. Sie ist die Stelle des schärfsten 
Sehens und der feinsten Raumunterscheidung. Die Entstehung der Bilder beruht im 
Innern des Auges, wie in der Camera obscura des Photographen bekanntlich darauf, 
daß die Lichtstrahlen, die von einem leuchtenden Körper, dem Objektpunkt, aus- 
gegangen sind, durch die Linse so gebrochen und von ihrer früheren Richtung abge- 
lenkt werden, daß hinter der Linse eine Durchkreuzung stattfindet, und auf der 
empiindlichen Platte oder der Netzhaut ein verkleinertes Bild entsteht. Jeder Zapfen 
der mosaikartig dichtbesetzten Netzhaut unseres Auges wird nur von denjenigen 
Lichtstrahlen getroffen, welche ein entsprechend kleines Flächenelement des leuchten- 
den Gegenstandes aussendet. Die aus dem Zapfen entspringende Nervenfaser wird
        

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