Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950321
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Siebenter Abschnitt. 
dann werden die Wangen hohl, d. h. der Abstand zwischen dem vorderen 
Rand des äußeren Kaumuskels (Fig. 127 Nr. 21) und der Gesichtsfläche 
des Trompetermuskels (Fig. 127 Nr. 22), der sonst durch Fett gepolstert 
war, sinkt ein. Wie aus der Abbildung Figur 125 bei Nr.5 hervorgeht, 
liegen zarte Bündel, die man als Lachmuskel bezeichnet, auf dem 
Fettpolster der Wange; das Fettpolster kann also für den Muskel ein 
Stützpunkt bei der Ausübung des Zuges werden. Das Grübchen in der 
Wange. jugendlicher Gesichter wird wohl von einer vermehrten Spannung 
des Muskels durch die Wölbung des F ettpolsters herbeigeführt sein. 
Vergegenwärtigt man sich den Vorgang des Lachens, wie es in der 
Figur 131 dargestellt ist, so muß sich folgende Reihe von Muskelwirkungen 
in der Wange abspielen. Der Trompetermuskel verkürzt sich und zieht 
auf beiden Seiten, unterstützt von dem Jochbeinmuskel, die Mundspalte 
in die Breite und etwas in die Höhe. Durch die Verkürzung des Trom- 
petermuskels wird aber der Raum, in welchem das Fettpolster der Wange 
sich befindet, verengt, das Fettpolster wird also nach vorn gedrängt, 
während sich die ganze Haut der Wange nach rückwärts und aufwärts 
staut, wie wir dies an der Figur 131 und an jedem jugendlichen und 
gutgenahrten Gesicht sehen können. Es ist nun sehr wahrscheinlich, daß 
unter solchen Umständen ein bestimmtes Bündel des Lachmuskels, durch 
das Fettpolster zu sehr gedehnt, die Wangenhaut an der bestimmten 
Stelle stärker einzieht und dadurch jenes Lach-Grübchen hervorbringt. 
Der Beweis für diese Erklärung ist schwer zu führen, als Stütze laßt sich 
nur die Erfahrung anführen, daß mit dem Schwund des Fettes auch oft 
das Grübchen schwindet. 
Als Muskelnamen wurden für die Antlitzmuskeln die anatomischen Bezeich- 
nungen beibehalten, soweit dies möglich war, ohne mit der Tradition allzusehr in 
Widerspruch zu geraten. Welche Bedenken gegen den Gebrauch physiologischer 
Bezeichnungen sprechen, zeigt die obige Analyse der Muskelwirkung bei dem Lachen. 
Der Lachmuskel (Fig. 125 Nr. 5) wird wegen seines Namens wohl von den meisten 
als der Hauptmuskel bei diesem Gemütsausdruck angesehen, und doch spielt er nur 
eine sehr untergeordnete Rolle. Der Trompetcrmuskel und der Jochbeinmuskel sind 
von dem physiologischen Standpunkt aus wirksamere Lachmuskeln als die Fortsetzung 
des Hautmuskels des Halses. S0 wird es sich noch oft zeigen, daß eine ganze Anzahl 
von Antlitzmuskeln für das Zustandekommen eines Gemütsausdruclzes gleichzeitig 
mitwirkt. Ich halte es deshalb für unrichtig, an dieser Stelle lediglich die mimische 
Bedeutung in den Vordergrund zu stellen, schon um deswillen, damit die vergleichend- 
anatomische Seite der Betrachtung nicht abgeschnitten sei. Denn eine Menge von 
inneren Erregungen der Tiere werden mit denselben Mitteln, nämlich durch verschie- 
denen Muskelzug auf die Haut, vollkommen verständlich für uns ausgedrückt. Nach- 
dem also die Fähigkeit, Zustände des Gehirns durch die Mimik auszudrücken, kein 
ausschließliches Vorrecht des Menschen ist, so scheint es mir besser, vorzugsweise 
anatomische Bezeichnungen anzuwenden. Die sämtlichen Muskeln des Antlitzes 
werden vom VII. Gehirnnervenpaar, dem Ges ichtsnerven (Nervus famialis), versorgt.
        

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