Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950304
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Siebenter Abschnitt. 
Soweit also die mit dem Messer und der Pincette gewonnenen Resultate 
Aufschluß geben können, ist dieser Augenbrauenrunzler allerdings nur ein 
Teil des Ringmuskels, aber der hohe Grad seiner physiologischen Un- 
abhängigkeit gestattet es, ihn als einen besonderen Muskel aufzuführen. 
Zu einem solchen Kreis von Muskelbündeln treten aus der Um- 
gebung Muskelzüge, welche als Antagonisten die Schnürbewegung der 
Kreisfasern aufheben und eine Erweiterung der Spalte herbeiführen. Um 
die Lidspalte herum ist dieses Prinzip auf den ersten Blick nicht mit 
voller Klarheit ausgeprägt, doch ist es unschwer zu erkennen. Als ein 
Erweiterer ganz hervorragender Art erscheint der Stirnmuskel (Fig. 127), 
von dem viele Bündel geradezu in den Kreismuskel sich einsenken. 
Während dies an dem oberen Umfange geschieht, brechen aus dem 
übrigen Kreis des Ringrnuskels an verschiedenen Stellen Muskelbündel 
aus, um gegen die Oberlippe, den Nasenrücken und den Mundwinkel 
herabzuziehen (Fig.124 u. 125). Hört also die Kontraktion des Ring- 
muskels auf, so wird die Rückkehr zur Ausgangsstellung nicht nur durch 
die Ruhelage des Schließmuskels herbeigeführt, sondern auch durch die 
Spannung all der übrigen Muskelkräfte, welche aus der Umgebung nach 
dem Zentrum des Ringmuskels hinstreben. Sie alle übernehmen in einem 
solchen Falle die Rolle der Erweiterer, und führen die Öffnung der 
Spalte herbei. 
An der Mundspalte ist das Prinzip der öffnenden und schließenden 
Fasern noch durchsichtiger von der Natur ausgeführt. In den Ringmuskel 
der Mundspalte dringen von allen Seiten Muskeln ein, so daß jeder ein- 
zelne Abschnitt der Spalte unabhängig nach jeder beliebigen Richtung 
gezogen werden kann. Der Trompetermuskel zieht den Mundwinkel nach 
der Richtung des Ohres zu; kommt der Zug des J ochbeinmuskels hinzu, 
so wird die Mundspalte nach rückwärts, aber gleichzeitig nach aufwärts 
verlängert. Verbindet  sich dagegen mit der Wirkung des Trompeter- 
muskels jene des dreieckigen Unterkiefermuslzels, so wird die Mundspalte 
nach abwärts verlängert. Bekanntlich sind die Muskeln der beiden 
Gesichtshälften unabhängig von einander, und es kann sich also die 
Bewegung nur auf einer Gesichtshälfte, oder gleichzeitig auf beiden 
abspielen. 
Für die Bewegung des mittleren Abschnittes der Mundspalte kommen 
Fleischbündel sowohl vom Oberkiefer herab, als von dem Unterkiefer 
hinauf. Sie dringen durch die Bahnen des Ringmuskels hindurch und 
befestigen sich in der Haut, um bei der Zusammenziehung die verengernde 
Wirkung des Ringmuskels aufzuheben. Der Oberkiefer entsendet seinen 
vierseitigen Aufheber der Oberlippe, wie der Unterkiefer seinen vier- 
seitigen Niederzieher, und beide sind auf jeder Seite vorhanden. 
Dieser Überblick über die Muskulatur der Mundspalte wird vielleicht 
dazu beitragen, den Reichtum der Bewegungen zu verstehen, der in der
        

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