Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947784
Einleitung. 
beide Gebiete sind. Ich erinnere nur an des BERNH. SIEGER. ALBINUS, 
(T 1770) berühmten Atlas, mit welchem die anatomische Darstellung in 
die Epoche ihrer Vollendung tritt. Denn man begnügt sich nicht mehr 
mit dem bloßen Abzeichnen des Gesehenen, sondern ermittelt erst durch 
vielfache Vergleichung die wahre Form, um sie dann künstlerisch nach- 
zubilden. Der Zeichner und Stecher der ALBnfschen Figuren, J AN WANDE- 
LAER (T Leiden 1759), Schüler von FOLKEMA, G. v. n. GoUWEN und G. n. 
Lnnnrsn, schuf so in dem Zusammenwirken mit Annnv ein Werk, das 
namentlich für die Skelete und die einzelnen Knochen von unübertroffener 
Schönheit ist. Es vermag ein ganzes osteologisches Museum zu ersetzen. 
Mit feinem Gefühl hat.der Künstler auf den ersten 12 Tafeln, den Zlzbulae 
sceleti et musoulorum, architektonisches und landschaftliches Beiwerk an- 
gebracht, um die Harte des weißen Hintergrundes abzustufen. Daher 
scheinen auch in einer Entfernung von 1-11], m, durch die hohle Hand 
gesehen, die Skelete aus dem Bild herauszutreten. So entstand ursprüng- 
lich das Werk eines Anatomen für die Anatomie. Der Gelehrte der die 
strengsten Anforderungen an die wissenschaftliche Wahrheit der Abbil- 
dungen stellte, besaß aber genug Einsicht, um dem hervorragenden Künstler 
innerhalb der technischen Darstellung volle Freiheit zu lassen. Daher 
kommt es, daß Anßnvnsl Tafeln unter Künstlern wie Anatomen stets zu 
den hervorragendsten Leistungen werden gezahlt werden, und für beide 
Gebiete von bleibendem Werte sind. Es sollen weiter unten einige plastisch- 
anatomische Werke aufgeführt werden, darunter auch solche, die als ideale 
Nachbildung der anatomischen Mittelform des Menschen angesehen werden 
können. Diese Aufzählung soll nicht erschöpfend sein; es wird ein kurzer 
Überblick genügen, um den Vergleich älterer plastisch-anatomischer Ar- 
beiten zu erleichtern.  Bei der Beurteilung der körperlichen Erscheinung 
des Menschen, also auch der Modelle muß daran erinnert werden, daß 
die Menschen nicht alle gleich sind, wie eine kühne Behauptung lautet. 
Man strebt mit Recht danach, Gleichheit vor dem Gesetz für Alle inner- 
halb der civilisierten Staaten zu erreichen, aber die einzelnen Individuen, 
weder die Frauen noch die Männer, sind gleich geformt, noch gleich stark, 
noch gleich gesund, noch gleich geistig begabt. Es giebt unzählige Ab- 
stufungen. Reichlich ein Viertel aller Menschen ist schlecht gebaut, un- 
proportioniert, mit schlechtem Brustkorb versehen, skrophulös, bucklig 
u. dergl. m. Wer bestimmte Zahlen wissen will, braucht nur die Register über 
die Rekruten-Aushebungen nachzulesen. Die Modelle sind, trotz der Auswahl 
gut geformter Körper, durchaus nicht alle gut gebaut; da sind Männer mit 
schlechter Haltung, eingesunkener flacher Brust, mit dicken, skruphulös 
entarteten Gelenken, krummen Beinen, mit verkümmerten Muskeln u. s. w? 
1 Einen guten Einblick in die zahlreichen Fehler der menschlichen Gestalt ge- 
währt: L. PFEIFFER, Handbuch der angewandten Anatomie. Leipzig 1899. 80. Mit 
zahlreichen Tafeln und Abbildungen.
        

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