Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950205
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Siebenter Abschnitt. 
welche eine leichte Vertiefung besitzen. Ihre Muskeln sind zahlreicher, 
als jene der Lidspalte. Die größere und vielseitigere Beweglichkeit der 
Lippen erfordert eine Muskulatur, die in größerem Maße gegliedert ist. 
Dennoch herrscht die gleiche Anordnung wie bei dem Auge in der Art, 
daß ein Muskel die Mundspalte verengert und verschließt, andere Muskel- 
kräfte dagegen die Spalte erweitern. Kein Tier besitzt eine so zusammen- 
gesetzte Muskulatur der Mundspalte. Das Maul der Tiere kann deshalb 
nie jene verschiedenen Formen annehmen, welche den Mund des Menschen 
zu einem so wichtigen Faktor bei der Sprache und der Miene machen. 
Die meisten dieser Muskeln liegen radienförmig um die Mundöffnung, es 
sind die Erweiterer der Mu-ndöffnung. Nur einer geht im Kreise herum, 
es ist der Schließmuskel. Zuerst sei aber ein Halsmuskel erwähnt, der 
seine Fasern bis in das Antlitz sendet, und wie schon angedeutet wurde, 
vielleicht als der Vater sämtlicher Antlitzmuskeln angesehen werden darf: 
Der Hautmuskel des Halses (Platysma, Fig. 126 Nr. 11, 12 u. 13) ist 
ein dünner Muskel, der im Gesicht in der Wangenregion und am Unter- 
kiefer beginnt, und unterhalb des Schlüsselbeines und in der Schultergegend 
in der Fascie des Brust- und Deltamuskels endigt; er steigt an den 
Seitenflachen des Halses schräg in die Höhe. Der Muskel verschmalert 
sich wegen dieses schrägen Verlaufes etwas und nähert sich, je höher er 
steigt, demjenigen der anderen Seite. Die mittlere Linie des Halses ist 
also anfangs von ihm nicht bedeckt, erst später berühren sie sich am 
Kinn, ja kreuzen sogar bisweilen ihr Bündel (Fig. 126 bei Nr. 1). Von dem 
Zufluß von Bündeln des Hautmuskels vorzugsweise abhängend, sind der 
dreiseitige Muskel (Fig.126 Nr.1t) und der vierseitige Muskel des 
Unterkiefers (Fig. 124 Nr. 10); sie zeigen besonders deutlich die Abstammung 
von dem Platysma. Ein anderer Zug von dünnen Bündeln zeigt im Ver- 
lauf durch das Gesicht eine große Selbständigkeit, wurde wohl deshalb 
auch mit einem besonderen Namen belegt und als Lachmuskel (Fig. 126 
Nr.9, besser ausgeprägt in Fig. 125 Nr. 5) in die Litteratur eingeführt. 
Die Wirkung des Hautmuskels ist eine sehr komplizierte; soweit sie mit 
derjenigen der Antlitzmuskeln zusammenfallt, soll sie später Berücksich- 
tigung ünden; seine Wirkung am Halse ist für den Abfluß des Blutes, 
von dem Kopf nach der Brusthöhle zu, von Vorteil. Seine natürliche 
Spannung laßt sich bei alten Leuten sehr gut beobachten, bei denen der 
Hals abgemagert und das Fett aus dem Unterhautgewebe und zwischen 
den Organen verschwunden ist; dann verursachen die vorderen Ränder 
des Muskels zwei stark vorspringende Hautfalten, welche vom Kinn aus- 
einanderweichend gegen das Brustbein herabziehen. Zwischen den Haut- 
falten liegt eine daumenbreite Rinne, die in der Nahe des Kehlkopfes 
am tiefsten ist, weiter unten jedoch allmählich verstreicht. 
Repräsentant der bei den Tieren 
welche Bewegungen ganzer Haut- 
Der Hautmuskel des Halses ist der einzige 
weit verbreiteten Gruppe von Hautmuskeln, durch
        

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