Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950189
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Siebenter Abschnitt. 
aponeurotica) über. Diese liegt unmittelbar unter der Haut des Kopfes, 
mit der Kopfschwarte fest verwachsen, dagegen mit der eigentlichen Bein- 
haut des Schädels nur locker verbunden. Wirkung: Die Zusammen- 
ziehungen des Muskels bewegen die Kopfschwarte nach vorn; dabei wird 
die Stirnhaut in quere Falten gelegt und samt den Augenbrauenbogen 
in die Höhe gezogen. Genauere Betrachtung ergiebt noch folgende wich- 
tige Einzelnheiten: 
 Der Muskel endigt nach oben nicht in einer geraden, sondern in 
einer Bogenlinie (Fig. 124). Zwischen beiden Muskeln befindet sich also 
ein dreieckiger muskelfreier Raum, der aber nicht bis zu der Nasenwurzel 
herabreicht, denn die beiden Muskeln berühren sich eine Strecke Weit. 
Daraus folgt, daß die Stirnhaut während der Zusammenziehung, der Mitte 
eines jeden Muskels entsprechend, höher gehoben wird, als an den Ran- 
dern. Die Stirnfalten beschreiben deshalb von einer Schlafe zu der an- 
deren nicht horizontal liegende Wülste, sondern doppelt gekrümmte, wie 
die nebenstehenden Zeichen andeuten QQ. 
Der Zug des Muskels beschrankt sich dabei nicht allein auf die 
Stirnhaut, sondern er setzt sich auch auf die Augenbrauen und die oberen 
Lider fort. Sie werden ebenfalls in die Höhe gezogen, und zwar am 
höchsten an dem inneren Drittel ihres Verlaufes. Dabei sind die Stirn- 
falten konzentrisch mit den konvexen Augenbrauenbogen. Alter, Geschlecht 
und Individualität bedingen zahlreiche kleine Verschiedenheiten, welche 
die eigene Beobachtung leicht festzustellen vermag. In der Jugend glatten 
sich die Falten wieder; allmählich werden aber, mit dem Verlust der 
Elastizität der Haut, ihre Spuren mehr und mehr erkennbar und schließ- 
lich bilden die Falten, bleibend geworden, die gefurchte Stirn der Greise. 
Der Augenbrauenrunzler (M. cowuyatoi- supercilii) entspringt von 
dem inneren Ende des Augenbrauenbogens und der dazwischenliegenden 
schmalen Fläche. Er ist bedeckt von dem oberen Bündel des Ring- 
muskels des Auges, geht nach außen und setzt sich in der Haut der 
Augenbraue fest. Die Wirkung der beiden Augenbrauenrunzlerl schiebt 
die Haut von den Seiten der Stirn gegen die Mittellinie zusammen, wo- 
durch jene senkrechten, über der Nasenwurzel aufsteigenden Furchen 
entstehen, die bei Gram und düsterer Gemütsstimmung hervortreten, und 
einen bleibenden physiognomischen Charakter der Schwermut und des 
gestörten Seelenfriedens abgeben. Aus diesem Grunde wurde der Muskel 
von einem Gelehrten Jfuscle de la douleur, Muskel des Schmerzes, 
genannt. Allein das sind nicht die einzigen Veranlassungen, welche 
diesen Muskel erregen. Bei dem genauen, angestrengten Sehen, bei dem 
scharfen Beobachten, also bei gesteigerter Aufmerksamkeit, zieht er 
1 Sie tragen ihren Namen mit Unrecht, da sie nicht die Brauen runzeln, sondern 
sie einander nähern, wodurch sich die Haut der Stirn in senkrechte Falten zu legen 
gezwungen wird.
        

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