Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1950084
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Sechster Abschnitt. 
kommen nämlich, das Wadenbein bedeckend, vom Unterschenkel herab, 
und wenden sich (14 cm vom unteren Rand des Knöchels entfernt) nach 
der Hinterseite des Knöchels. Die Sehnen verschwinden in der Knochen- 
rinne, um nach einem scharfen Winkel an dem seitlichen Fußrand 
(Fig. 121) wieder unter der Haut als ein derber Strang sichtbar zu 
werden, der namentlich bei der Streckung des Fußes deutlich zum Vor- 
schein kommt. Um das Ausschlüpfen der beiden Sehnen aus der Furche 
des seitlichen Knöchels zu verhüten, verdickt sich hier die Sehnenbinde 
desUnterschenkels zu einem starken Haltbande, dem Schleuderband 
(Retinaculum), welches sich vom äußeren Knöchel zur äußeren Flache des 
Fersenbeines herabspannt (Fig. 121). 
Zwischen den beiden geschilderten Formen der Knochen- und Band- 
rolle giebt es viele Abstufungen, die sich von selbst erklären. S0 ist die 
Rutschflache für die Kniescheibe in Hinsicht auf die Wirkung des Unter- 
schenkelstreckers eine Knochenrolle, welche bei gebeugtem Bein unver- 
kennbar ist. Die Kniescheibe selbst erscheint von diesem Gesichtspunkt 
aus, trotz ihrer Gelenkflache nur als linsenförmige Sehnenverdickung, 
welche das Hin- und Hergleiten mit dem geringsten Grad von Reibung 
erleichtert. Sie gehört in die Reihe der sog. Sesambeine, wie solche noch 
an anderen Gelenken, wenn auch bedeutend kleiner, vorkommen. In 
ganz dieselbe Reihe gehören die Vorrichtungen an der Unteriiache der 
Finger und Zehen. Man nennt sie zwar dort Sehnenscheiden (Vaginae 
tendmum), aber ihre mechanische Bedeutung auch als Knochen- und Band- 
rollen ist unverkennbar. 
Die Knochen als Hebel. Die Mittel für die kraftvollen und 
schnellen Leistungen unseres Körpers liegen, abgesehen von den bisher 
erwähnten Eigenschaften auch darin, daß die Knochen Hebel sind, deren 
bewegende Kraft in dem Muskel, und deren Last in den Knochen liegt. 
In der Figur 114 stellt der Muskelbauch Nr. 2 die bewegende Kraft dar, 
die Elle ist in diesem Falle der Hebel und das Ellbogengelenk (Fig. 114 
Nr. 5) der Dreh- oder Stützpunkt. Die zu bewegende Last hängt an dem 
Vorderarm. Die Mehrzahl dieser Hebel ist einarmig, d. h. der Muskel 
zieht auf derselben Seite, auf der sich die Last befindet. Meist liegt der 
Angriffspunkt dem Gelenk sehr nahe, wie in unserem Beispiel der Figur 114, 
wodurch für das Heben schwerer Lasten freilich ein bedeutenderer Kraft- 
aufwand nötig wird als im umgekehrten Falle, aber die Bewegung ge- 
schieht dafür mit um so größerer Geschwindigkeit und die Knochen 
werden in Wurfhebel oder Geschwindigkeitshebel verwandelt. Die 
Gewalt der verhältnismäßig kleinen Kaumuskeln ist hierfür ein Beispiel. 
Kirschkerne und Haselnüsse aufzubeißen, erfordert ein Gewicht von 50 bis 
80 Kilo und um einen Pfirsichkern zu zerdrücken, ist der Druck von 400 
bis 600 Kilo erforderlich. Die Gesetze des einarmigen Hebels finden
        

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