Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947751
Studium 
Anatomie. 
der plastischen 
menschlichen Körpers zusammentragen. Für das Studium der Tiere 
existieren heute dieselben günstigen Bedingungen, wie einst für den 
Menschen bei den Griechen. Die griechischen Schulen für Künstler be- 
fanden sich in den Gymnasien; da wurde unter der Aufsicht des Staates 
die körperliche Erziehung der männlichen Jugend geleitet. Nackt er- 
schien auf dem Spielplatz der junge Grieche zu den Leibesübungen, nackt 
fanden sie sich zu den Wettspielen unter freiem Himmel ein. Die reife 
Jugend, die an den olympischen Spielen teilnahm, war verpflichtet, sich 
einer mehrmonatlichen Vorbereitung zu unterwerfen. Die körperlich 
vollendetsten Menschen waren also unausgesetzt vor den Augen der 
Künstler. Dort in den Gymnasien studierte man die Wendungen und 
Stellungen an den blühend frischen Gestalten und an dem Abdrucke, den 
die Ringer im Sande zurückgelassen hatten. Unter! solchen Umständen. 
gelang es in Griechenland, die ganze Schönheit der menschlichen Gestalt 
aufzufassen, und sie in höchster Vollendung den kommenden Jahrhunderten 
zu staunender Bewunderungzu überliefern. 
Die römischen und griechischen Künstler haben indes auch wohl anatomische 
Studien an der Leiche angestellt. Bei dem Anblick der vollendeten Figuren eines 
borghesischen Fechters, oder eines Laokoon und der pergamensischen Kunstwerke 
kann man kaum daran zweifeln, obwohl, soviel ich weiß, keine direkten Angaben 
darüber aufgefunden sind. Der schlagendste Beweis, daß sie das Skclet in all seinen 
Teilen kannten, liegt darin, daß sie es dargestellt. Eine Zusammenstellung derjenigen 
Werke, auf welchen Skelete vorkommen, enthält die Abhandlung von Lnssmo: Wie 
die Alten den Tod abgebildet. Dort ist gleichzeitig mitgeteilt, daß sie nicht den Tod 
damit meinten, sondern abgeschiedene Seelen böser Menschen, die sie als Larvae be- 
zeichneten. Nemo tam puer est, sagt Samson, ut Oerbermvv. timeat, et tenebras, et 
Larvarunz lzabitunz, nudis ossibzts cohaerentizwn. Es ist niemand so kindisch, daß er 
den Cerberus fürchtet, und die toten Gespenster, „da nichts dann die leidigen Bein 
aneinander bangen". Lamm hieß auch dasjenige Gerippe, welches bei feierlichen 
Gastmälern mit auf der Tafel erschien, um zu einem desto eilfertigeren Genuß des 
Lebens zu ermuntern. Die Darstellung von Gerippen zeigt unumstößlich, daß die 
Alten Knochengerüste, nudzls ossibzos colzaereazs, sehr genau kannten, und der Schluß, 
daß sie es zum Studium des menschlichen Körpers benutzten, ist also wohl kaum 
zuriiekzuweisen. 
HIPPOKRATES hat schon vor mehr als 2000 Jahren seinem Sohne THESSALUS die 
Lehre gegeben, sich eifrigst mit dem Studium der Knochenlehre zu beschäftigen, und 
hat dem Apollo zu Delphi ein bronzenes Skelet zum Geschenk gemacht. Dnnoxmr, 
der zur Zeit des PHIDIAS lebte, hat man oft in Gräbern angetroffen. 
HYRTL erwähnt die Abbildung einer alten Gemme, in welcher ein griechischer 
Priester die Hand eines vor ihm stehenden Skeletes in jene der Hygiea legt, während 
ein liiegender Genius über beide seine Fackel schwingt. XVahrlich ein schönes und 
tiefes Symbol der innigsten Verbindung der Heilkunde mit der Osteologie. 
Wer mit Hilfe eines Handbuches sich die Kenntnisse eines Skeletes 
und der Muskeln erwerben will, soweit dies mit solchem Hilfsmittel über- 
haupt möglich, der wird am schnellsten zum Ziel gelangen, wenn er die 
Abbildungen nicht bloß betrachtet, sondern sie sofort nachzeichnet 
und zu den wichtigsten Punkten die entsprechenden Namen hinzusetzt.
        

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