Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949996
Muskellehre. 
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abwechselnd, schnell oder langsam in Erregung versetzt werden können. 
Und je nach der Starke des blitzahnlichen Funkens ist die Zusammen- 
ziehung schwach oder schreitet durch verschiedene Grade stufenweise 
hinauf bis zur Äußerung der höchsten Kraft, deren die Faser fahig ist. 
Dabei ist ferner die Einrichtung getroffen, daß sofort mit dem Auf- 
hören des Willensimpulses auch die Zusammenziehung aufhört. Man 
drückt dies mit dem Worte "Erschlaffung" aus, obwohl diese Bezeichnung 
nicht vollkommen zutreffend ist. Denn niemals kommt in gesunden Tagen 
der Muskel in jenen Zustand, den wir im gewöhnlichen Leben als schlaff 
bezeichnen. Niemals faltet er sich, oder hängt er an dem Knochen wie 
ein schlaifes Segel. Er befindet sich stets in einem gewissen Grade natür- 
licher Spannung, weil die Muskeln alle etwas über ihre normale Länge 
hinaus gedehnt sind. 
Aus diesen Erfahrungen, welche eine weit ausgreifende Untersuchung 
an dem lebendigen Muskel der Tiere festgestellt hat, lassen sich viele 
wertvolle Schlüsse ziehen, von denen einige für die plastische Anatomie 
von Interesse sind. Obenan steht der Satz, daß nur die rote Fleisch- 
masse die Kraft erzeugt, welche die Knochen in ihren Ge- 
lenken dreht oder, wie bei den mimischen Muskeln, bestimmte 
Spannungszustande der Haut hervorbringt. Legt man die eine 
Hand auf den Oberarm, während der Vorderarm sich abwechselnd beugt 
und streckt, so wird bekanntlich die Schwellung und Härte fühlbar, 
welche mit der Beugung beginnt und mit dem Aufhören derselben 
schwindet. Schwellung und Härte hängen ab von der Zusammenziehung 
der Muskelbündel (Contraction); sie bleibt beschrankt auf jenen Muskel, 
der von unserem Willen in Erregung versetzt wird und geschieht mit 
einer Kraft, welche von der Zahl der sich verkürzenden Muskelfasern ab- 
hängt. Mittels der Sehnen wird nun diese Summe lebendiger Kraft auf 
die Knochen übertragen und äußert sich durch eine Verschiebung in 
dem zwischen Ursprung und Ansatz befindlichen Gelenk. Die Figur 114 
dient zur Versinnlichung dieses Vorganges. An den, in dem Ellbogen- 
gelenk beweglichen Knochen ist der Muskel Nr. 2 mit seinen Sehnen so 
angebracht, daß er seinen Weg über die verdickten Gelenkenden hinweg 
zu seinem Ansatz bei Nr. 3 nehmen muß. Verkürzt sich nun das tleischige 
Zwischenstück, dann müssen die Knochen notwendig ihre Stellung andern. 
Nachdem in diesem unserem Beispiel das Gelenk (Fig. 114 Nr. 5) ein 
Winkelgelenk ist und der Muskel auf der vorderen Seite der Gelenkachse 
angreift, so wird der Vorderarm in der Richtung der punktierten Linien 
bei 3 sich fortbewegen: der Arm wird also gebeugt.  Einfacher ist 
die Wirkung des Brustmuskels, der in Figur 118 schematisch nach der 
Methode von LEONARDO DA Vmcr dargestellt ist. Ursprung, Ansatz und 
Verlauf sind auf den ersten Blick klar, ebenso die Wirkung, die darin 
besteht, den abgezogenen Arm an den Körperheranzubringen.
        

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