Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949920
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Sechster Abschnitt. 
daß in der Zusammenziehung der Muskeln sehrwerschiedene Grade 
existieren und daß die äußere Erscheinung abhängt von der Größe des 
F leischbauches und dem Grade seiner Zusammenziehung, oder anatomisch 
gesprochen von dem Unterschied zwischen der Erhebung seiner 
Oberfläche über diejenige der tieferliegenden Sehne. Von 
dieser wichtigen und allgemeinen Regel giebt es keine Ausnahme. 
Scheinbare Abweichungen, welche durch das Anspannen Strang- 
förmiger Sehnen entstehen, z. B. an dem Vorderarm, dem Unter- 
schenkel, dem Kniegelenk, sollen später berücksichtigt werden. 
Diese Regel von dem Niveauunterschied zwischen dem fleischigen Teil des 
Muskels und seiner nicht kontraktilen Umgebung bleibt selbst dann in voller Geltung, 
wenn der Muskel ohne Vermittelung von Sehnen direkt von Knoehenfiächen ent- 
springt oder sich direkt an Knochenilächen ansetzt, wie folgendes Beispiel zeigt. 
Der große Brustmuskel entspringt längs des ganzen Brustbeincs (Fig.115 Nr.1) 
ohne Vermittelung einer sichtbaren Sehne direkt von Knochenflächen. Dennoch liegt, 
ebenso wie bei den Zwischensehnen der geraden Bauchmuskeln, die Ebene seiner 
Fleischmasse viel höher als die vordere Fläche des Brustbeines, die wie eine schmale 
Rinne zwischen dem Ursprung der beiderseitigen Brustmuskeln sichtbar wird. Das 
Fleisch an sich verursacht schon eine Erhöhung, gegenüber der Brustbeiniläche, die 
Zusammenziehung steigert dann dieselbe und vertieft die schon vorhandene Furche. 
(Vergl. die Figg. 28 S. 52 und 68 S. 121.) 
Es giebt ferner ' 
3) Breite und sehr ausgedehnte, dabei aber dünne Sehnen. 
Sie heißen Aponeurosen. Sie sind auffallend verschieden von den 
strangtförmigen Sehnen, welche die Figur 114 als Beispiel zeigt. Sind 
nämlich Muskeln über große Flachen ausgedehnt, wie an den Seiten der 
Bauchwand, so ist die Sehne ebenfalls breit und stellt ein Blatt von 
kaum 1 mm Dicke dar, das die Formen der darunter liegenden Teile 
deutlich erkennen laßt. In der Figur 115 Nr. 10 u. Nr. 11 ist der rechte 
äußere schiefe Bauchmuskel, so heißt er mit seinem ganzen Namen, 
größtenteils sichthar. Mit Nr. 10 sind seine vier oberen Ursprungszacken 
bezeichnet, welche von der fünften bis achten Rippe entspringen. Sie 
sind, wie schon die Schraffur andeutet, ileischig, ebenso wie sein unterer 
Teil, der mit Nr. 11 bezeichnet ist. Von der unteren Fleischecke bei 
Nr. 11 zieht sich bis zu dem Brustkorb hinauf eine gebrochene Linie, 
auf der der Fleischbauch des Muskels in eine platte Sehne übergeht, 
welche in der vorderen Mittellinie mit derjenigen des Widerparts von 
der anderen Körperhalfte sich durchkreuzt. Diese dünne Sehne bedeckt 
zwar den geraden Bauchmuskel (Fig. 115 Nr. 12), allein sie laßt seine 
ganze Form deutlich wiedererkennen. Es heben sich sowohl die Ränder, 
als auch die Zwischensehnen deutlich ab, ein lehrreiches Beispiel, daß 
selbst tiefliegende Teile durch die Aponeurosen hindurch noch mit allen 
Einzelnheiten erkennbar sind. Ein Vergleich mit der linken Körperhälfte, 
an der die Aponeurose entfernt ist, zeigt den geraden Bauchmuskel un-
        

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