Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947741
Einleitung. 
direkt Amitdem lebendigen Körper vergleichen, wenn sein guter Wille 
i-Erfolg haben soll. Modellstudien am Lebenden müssen stets das anato- 
mische Studium begleiten, und zwar sowohl den Vortrag des Lehrers, als 
die Arbeit des Schülers? 
Bei der Wahl der Modelle für den anatomischen Unterricht ist 
wohl zu berücksichtigen, daß man zu den Demonstrationen für die 
Knochenlehre magere Individuen wähle; für die Erläuterungen zur 
Muskellehre dagegen kräftige Männer aussuche, solche mit dünner fett- 
loser Haut, gleichzeitig intelligent genug, um jene forcierten Bewegungen 
auszuführen, welche die Konturen der Muskeln am schärfsten hervortreten 
lassen. Der Fettwanst ist für Muskelstudien gänzlich unbrauchbar. Es 
ist ferner zu bedenken, dass nur höchst selten der ganze Körper gleich- 
mäßig entwickelt ist; bald ist es nur der Oberkörper, während der Unter- 
körper mangelhaft ist und umgekehrt. Hier ist für plastisch-anatomische 
Zwecke geeignete Auswahl unerläßlich. 
Der Künstler findet übrigens, abgesehen von der Gelegenheit im Akt- 
saal, ein ganzes Museum für seine Studien  an dem eigenen Körper. 
Er hat dabei den Vorteil, durch seinen Willen gerade jene Muskeln in 
Spannung versetzen zu können, deren Verlauf seine Aufmerksamkeit in 
Anspruch nimmt, was bei dem Modell erst nach langer Übung zu erreichen 
ist. Ein Maler oder Bildhauer ist ferner kaum zu denken, der nicht 
längere Zeit einen skeletierten Schädel sein Eigen genannt hätte, und eine 
kleine Knocliensammlung, in welcher wenigstens die Hand und der Fuß 
vertreten sind. Diese Skeletteile sind leicht zu beschaffen? 
Diese für die menschliche Anatomie vorgeschlagene Methode des 
Studiums muß derjenige noch in mancher Hinsicht erweitern und vertiefen, 
welcher die volle Freiheit in der Darstellung der menschlichen Körper 
erreichen will. Er muß an der Leiche mit dem Messer dem Zusammen- 
hang der Teile folgen, also sezieren. Wem die Möglichkeit gegeben ist, 
auf einem Seziersaal Hand anzulegen, der wird sich dadurch erst den 
ganzen Erfolg seiner anatomischen Studien sichern. 
Von verschiedenen Seiten her muß man sich also die Kenntnis des 
1 Bei meinen Vorträgen an der Akademie der bildenden Künste in München 
habe ich stets dieses Verfahren- festgehalten und hefolge es auch in dem vorliegenden 
Buche. Dasselbe Verfahren sollte ausgedehnte Anwendung finden sowohl bei den 
Vorträgen über Knochen, als bei denen über Muskellehre, dann ist zu hoffen, daß 
die Erinnerung der vorausgeschickten anatomischen Details noch frisch in dem Ge- 
dächtnis sitzt und durch die Nutzanwendung, welche auf dem Fuß folgt, vertieft werde. 
2 Am Schluß dieses Abschnittes finden sich Firmen für osteologische Präparate 
aufgeführt. Da man sich selbst aus den wortreichsten Beschreibungen der Knochen 
kaum eine richtige Vorstellung von ihrer Gestalt bilden kann, so wird es zur un- 
erläßlichen Bedingung, die einzelnen Knochen in natura vor Augen zu haben. Ab- 
bildungen geben nur unvollkommenen Ersatz. Das Besehcn der Knochen lehrt sie 
besser kennen als das Lesen ihrer Beschreibungen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.