Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949871
Sechster 
Abschnitt. 
M 
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11 
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Allgemeine 
Übersicht. 
Das rote Fleisch des menschlichen Körpers ist die Quelle der Be- 
wegungen. Die Ortsveranderung sowohl der einzelnen Teile als des 
ganzen Organismus ist nur möglich durch diese roten, blutdurchströmten 
Massen, welche fast das ganze Skelet umgeben und nur einzelne Stellen 
als harte Unterlage der Haut bei Mensch wie Tier zum Vorschein 
kommen lassen. Dieses rote Fleisch zerfallt in kleinere abgegrenzte 
Massen, die sogenannten Muskeln, welche je nach den Körperstellen von 
verschiedener Form und Größe sind. Die einzelnen Muskeln besitzen 
eine gewisse Unabhängigkeit von ihren Nachbarn und sind mit Hilfe des 
Messers von ihnen trennbar, weil dünne Schichten eines lockeren Ge- 
webes zwischen ihnen liegen. Blutgefäße und Nerven ziehen diesem oft 
fetthaltigen Zwischengewebe entlang, um zu den Muskeln zu gelangen. 
Sind diese umgebenden Teile mit dem Messer vorsichtig und von allen 
Seiten entfernt, der Muskel, wie man sich ausdrückt, von seiner Umgebung 
losprapariert, so stellt er in seinen einfachsten Formen ein langliches 
spindelförmiges Organ dar, an dem man folgende Teile unterscheidet: 
1) einen mittleren, roten Abschnitt, den sog. Muskelbauch (Venter), 
der aus fleischigen Fasern besteht (Fig. 114 Nr.2). Er ist durch einen 
Nervenstrang direkt mit dem Gehirn in Verbindung gesetzt. 
2) die beiden verschmalerten Enden (Fig. 114 Nr. 1 u. 3), die weiß, atlas- 
glänzend aus dem roten Muskelbauch hervorkommen, und als Sehnen 
(Tendines) bezeichnet werden. Sie bestehen aus einem von dem roten 
Fleisch gänzlich verschiedenen Material, dessen Gegensätze in Form und 
Farbe und chemischer Zusammensetzung die denkbar größten sind. Das 
Fleisch enthält Eiweiß, die Sehnen dagegen leimgebende Substanz. Ihre 
Lebensaußerungen sind ebenso verschieden. Der Muskel zieht sich 
zusammen, verkürzt sich, schwillt dadurch an, und wird dabei fest; die 
Sehne wird nur gespannt, sie kann sich weder verlängern noch verkürzen; 
sie ist einem Seil vergleichbar, an dem der Muskel zieht, wie das Pferd 
an dem Strang. Die Sehne ist mit der Beinhaut und mit dem Knochen 
so fest verwachsen, daß eher das Knochcnstiick an der Ansatzstelle los- 
reißt, als daß die Sehne sich loslöst. Die Sehnen an den Enden des 
Muskels heißen wegen ihrer Lage Endselinen (Tendines termmales), zur 
Unterscheidung von Zwischensehnen (Tendines mtermediz), die an einigen 
Muskeln in der Mitte angebracht sind. 
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