Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949745
198 
Abschnitt. 
Fünfter 
dem Unterschenkel, während die Hand, auch wenn sie ruht, in der Ver- 
längerung des Vorderarms liegt. Der Fuß muß zu der Körpergröße in 
einem richtigen Verhältnisse stehen, um den Gesetzen der Schönheit zu 
entsprechen. Ein zu kleiner Fuß macht bei dem Mann den Eindruck 
der Unsicherheit, um nicht zu sagen, der Unvollkommenheit. Wenn die 
Füße die Aufstellungsbasis des Leibes abgeben, so sind große Füße jeden- 
falls anatomisch vollkommener als kleine. Die germanischen Volksstamme 
haben im allgemeinen größere Füße als die romanischen. Wenn wir bei 
dem weiblichen Geschlechts den Fuß auch dann bewundern, wenn er zu 
klein ist und weit unter der, durch die Proportion der Gestalt gegebenen 
Größe zurückbleibt, so huldigen wir auch darin einer Mode, die für den 
kleinen Puppenfuß schwärmt. Die klassische Periode der alten Kunst 
setzte stets den Körper auf richtig proportionierte F üße, wo sie es nicht 
that, geschah es aus besonderen Gründen. 
Die 
Fußwurzel. 
Von den drei anatomischen Formbestandteilen des Fußskeletes: Fuß- 
wurzell, Mittelfuß und Zehen, ist die Fußwurzel der längste und zugleich 
der stärkste. Sie mißt die Hälfte der Fußlange. Die Fußsohle heißt 
Planta pedis, und deshalb spricht und schreibt man von einer Plantar- 
{lache und von Plantarmuskeln, im Gegensatz zu denen des Fußrückens, 
des Dorsum pedis. Wie es kam, daß Pflanzen und Fußsohlen denselben 
Namen, Plantac, führen, wurde noch nicht aufgeklärt. 
Der erste und höchst gelegene Knochen der Fußwurzel, das Sprung- 
bein (Talusz oder Astragalus, F ig. 110 Nr. 1 11.2) ist allein mit dem Unter- 
schenkel durch das Sprunggelenk verbunden. Er ist der einzige Fuß- 
wurzelknochen, an welchem sich weder ein Muskel inseriert, noch ent- 
springt. Seine Bewegung im Sprunggelenk kann deshalb immer nur eine 
mittelbare sein, welche ihm durch die Bewegung des ganzen Fußes über- 
tragen wird. Das Sprungbein trägt auf der oberen Flache eine gewölbte 
und zugleich hinten verschmalerte Gelenkfläche (F ig. 110 Nr.1), welche sich 
etwas auf die Seitenflächen, der Reibung mit den Knöcheln wegen, fort- 
setzt. Vorn sitzt an dem Sprungbein ein abgerundeter Vorsprung 
(Taluskopf, Fig. 11_0 Nr. 2), dessen überknorpelte Oberfläche in eine pfannen- 
förmige Vertiefung des Kahnbeines (Fig. 110 Nr. 4) hineinpaßt. 
1 Tarsus (tarsion, grieeh.) hieß ein aus parallelen Eisenstäben gebildeter Rost. 
So wird es erklärlich, daß der Name Tarsus auch auf die fünf parallelen Röhren- 
knochen des Mittelfußes angewendet werden konnte. 
2 Idlus oder Tessem heißt Würfel. Nur das Sprungbein der Säugetiere mit ge- 
spaltenen und ungespaltenen Hufen hat die Gestalt eines Würfels. Das Sprungbein 
der Schafe und Ziegen diente seiner, wenn auch nicht ganz kubischen Gestalt wegen 
in alter Zeit als Würfel. Daher noch heute de1' Ausdruck knöcheln statt würfeln. 
Das menschliche Sprungbein hat keine Ähnlichkeit mit einem Würfel.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.