Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947723
Einleitung. 
Diese beiden Hauptabschnitte bilden den umfangreichsten Teil der 
plastischen Anatomie. Dabei ist es unerläßlich, die toten Teile mit den 
lebendigen zu vergleichen. Modellstudien am Lebenden sind für die Er- 
klärung der äußeren Gestalt ebenso wichtig, wie die prüfende Forschung 
an der Leiche. Denn es handelt sich in der Lehre von dem Bewegungs- 
apparat des Organismus nicht bloß darum, das Einzelne in seiner Er- 
scheinung zu erfassen, sondern die lebendige Form in ihrem reichen 
Wechsel zu verstehen. Mit der Kenntnis des Bewegungsapparates jedoch 
ist an sich das Gebiet der plastischen Anatomie nicht abgeschlossen. Im 
Innern des Rumpfes, in den beiden großen Höhlen, der Brust- und Bauch- 
höhle, befinden sich große und umfangreiche Organe, welche den Zwecken 
des Lebens dienen. Eine Erörterung ihrer Formen und ihrer Bedeutung 
ist notwendig, um den Einfluß auf die äußere Erscheinung des Körpers 
zu verstehen. Weder die Brust, noch der Unterleib haben stets dieselbe 
Gestalt. Ruhe und Bewegung prägen dem Rümpfe ebenso deutliche 
Zeichen auf, wie den Gliedern. Die Anatomie des Thorax: sein Aussehen 
irvährend der verschiedenen Phasen der Atmung, bei bedeutenden An- 
strengungen, bei den die Seele tief erregenden Affekten, oder endlich bei 
dem leblosen Körper wird erst verständlich, wenn die Thätigkeit der, 
Lungen bekannt ist. 
 Ein besonderes Kapitel soll ferner der Haut gewidmet sein, welche 
wie ein durchsichtiger Schleier den menschlichen Körper bedeckt. Der 
Muskelzug erzeugt auf ihr Spannungen und Falten, sie läßt bald Gefäße, 
Muskelzüge und Knochenkanten durchscheinen, oder verhüllt, je nach 
Geschlecht und Alter, von den tieferliegenden Organen, was in anderen 
Fällen klar zum Ausdruck kommt. Für alle diese Erörterungen bildet 
der Körper des Mannes den Ausgangspunkt. 
Vertraut mit dessen Formen soll dann in weiterer Folge der Körper 
des Weibes geschildert werden. Daran schließt sich naturgemäß eine 
kurze Betrachtung der körperlichen Eigenschaften des Kindes und die 
Lehre von den Proportionen. 
Die plastische Anatomie soll auch gegen die Verwilderung in der Darstellung 
der menschlichen Gestalt ankämpfen. Der jetzt herrschende Realismus_ wird von 
Vielen so verstanden, dass sie glauben, um so dankenswerteres zu leisten, je getreuer 
sie ein Modell kopieren, alles, Schönes und Häßliches, wird nachgemacht, damit man 
nur nicht "konventionell" werde. Es ist der Zweck der Abbildungen dieses Buches, 
das Auge an anatomisch richtige Formen zu gewöhnen, die schon darum auch höheren 
Ansprüchen genügen. 
Studium 
der 
plastischen 
Anatomie 
In der darstellenden Kunst geht, wie in den beschreibenden Natur- 
wissenschaften, alles Lernen und Begreifen mit der Beobachtung Hand in 
Hand. Trotz aller Bücher muß man die Dinge leibhaftig vor sich sehen,
        

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